Biographie

Bild: Ali Shato
Bild: Ali Shato

«Der Napf ist ein mythischer Berg, wo eine der weltweit vielen Strandungen der Arche Noah stattfanden. Weiter: um den schleichenden Berg herum entwickelten sich und lebten drei Agrarkulturen: das Emmental, das Entlebuch und das Hinterland, also – afrikanisch ausgesprochen – drei Ethnien, einander so nah, klein und doch im Glauben, sie glaubten das einzig Richtige.
Der Napf ist ein Berg, der einst viel Gold enthielt (…). Ich kam nach Afrika, um gerade in Südrhodesien (nach 1980 hiess es Zimbabwe) festzustellen, dass hier in den Minen von Shabani dasselbe wie einst bei uns im Napfgebiet geschah.»
Von Immensee nach Afrika. Vortrag Kirchberg 2014

 

Reise nach Namibia und Ghana 2015. 
Fotograf: Niggi Popp

 

Lotta Suter hat 2005 «In aller Welt zu Hause. Al Imfeld – eine Biografie» (Rotpunktverlag) veröffentlicht. Die biografischen Angaben stammen vorwiegend aus diesem Buch.

14.01.1935 Geburt im Regionalspital Lachen, Kanton Schwyz.
Frühjahr 1936 Umzug der Familie auf den Hof Roth in Ruswil, Kanton Luzern.
1941 – 1947 Besuch der Primarschule in Ruswil.
1947 – 1954 Besuch des Gymnasiums der Schweizerischen Missionsgesellschaft Immensee SMB.
1954 Matura A, anschliessend heimlicher Besuch bei Albert Schweitzer in Lambarene (Gabun).
1955 Eintritt in die Missionsgesellschaft Bethlehem, Studium der Philosophie und der katholischen Theologie.
1961 Priesterweihe.
1961 – 1963 Von seinen Oberen verordnete Studien der Theologie in Rom.
1963 – 1967 Tätigkeit als Priester und Studium der Soziologie an der Fordham University in New York und des Journalismus an der Northwestern University in Chicago; nebenbei Besuch von Vorlesungen bei Paul Tillich an der Divinity School der University of Chicago.
1964 Teilnahme an der Bürgerrechtsbewegung in den USA um Martin Luther King.
1966 mehrmonatige Reisen in Südostasien, inklusive Vietnam
1967 – 1969 Missionsarbeit in Südrhodesien (heute Zimbabwe), Lehrtätigkeit für Philosophie in Malawi und für Agrarsoziologie in Tansania.
1970 – 1971 Lehrauftrag in Agrarjournalismus in Nairobi, Kenia. Weiterführung des Studiums in Tropenagronomie.
Ab 1971 Rückkehr in die Schweiz. Kulturvermittler, freier Schriftsteller in Zürich mit Spezialgebieten Afrika, Entwicklung, Ökologie und Städtebau. Gründer und  Mitarbeiter von i3w (Informationsdienst Dritte Welt) in Bern. Daneben u.a. Mitbegründer der Monatszeitschrift Für eine offene Kirche, Mitinitiator der Arbeitsstellen Tourismus und Entwicklung und Kultur und Entwicklung, Mitglied der kritischen Agrarorganisation ipra, Initiator von Dialog Afrika, einer deutschsprachigen Reihe afrikanischer Literatur, Buchautor, Kolumnenschreiber, Mitarbeit bei Radiostationen, Einsitz in Expertenkommissionen schweizerischer Hilfswerke.
1976 – 1979 Halbtags beim Gottlieb Duttweiler Institut tätig und halbtags in der Redaktion von epd-Entwicklungspolitik.
Ab 1979 Literaturvermittlungsarbeit erst beim Berliner Afrika-Festival, dann bei der Frankfurter Buchmesse und in der Folge bei der «Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika» in Frankfurt.
Ab 1981 Mitarbeit bei der neu gegründeten Schweizer Wochenzeitung WOZ.
1983 Christoph-Eckenstein-Preis für das «Klarmachen komplexer Zusammenhänge zwischen erster und dritter Welt» für sein Buch «Zucker».
1984 Ehrengabe der Stadt Zürich für Bemühungen um den Dialog fremder Kulturen.
1985 – 2000 Lehrauftrag an der Höheren Schule für Gestaltung in Luzern. Unzählige Vorträge, Vorlesungen, Podien. Evaluationen im Sahel, Guinea-Bissau und Ruanda; Aufträge des Goethe-Instituts in Kamerun, Nigeria, Äthiopien. Vorlesungen zu Agrarkultur in Witzenhausen, Gesamthochschule Kassel, Mitarbeit an den Internationalen Literaturtagen in Erlangen.
1990 Zürcher Journalistenpreis und Europäischer Journalistenpreis in Klagenfurt, beide für die Reportage «Macht und Magie des Maggi-Würfels».
1990/1991 Tourneen mit dem Circus-Theater Federlos in Nigeria und Zimbabwe. Das Geschichtenerzählen als «Griot vom Napf» tritt immer mehr in den Vordergrund.
1992 – 2002 Mitglied des Forschungsteams der Novartis Stiftung in einer Pestizid-Studie. «Safe and Effective Use of Crop Protection Products in Developing Countries». Baumwollbauern in Indien, Mexiko und Zimbabwe wurden 10 Jahre lang untersucht.
1996 Schreib-Workshop mit der Schriftstellerin Zaynab Alkali in Maiduguri, Nordnigeria.
1997 Publikumspreis des Innerschweizer ­Literaturfestes für die Kurzgeschichte «Buchstabensuppe».
1999 Zusammenarbeit mit Koyo Kouoh an der Dak’Art, der Biennale moderner afrikanischer Kunst. Beratung bei der Ausstellung South meets West, in Accra, Ghana, organisiert von Nàwáo. Forschung für WWF am Malawi-See. Evaluation in Südafrika für HEKS und DEZA: Warum bleiben die aus dem Exil heimkehrenden Menschen nicht auf dem Land, das ihnen zugeteilt wird.
2000 – 2004 Arbeit am Manuskript einer afrikanischen Agrargeschichte. Nach Fertigstellung Herzoperation mit 6 Bypässen. 2003 das erste Jahr seit 1967 ohne Reisen nach Afrika. Arbeit an der Festschrift für die Novartis Stiftung. Zahlreiche Auftritte mit Geschichten und Gedichten.
2003 Im Evalutionsteam (zusammen mit zwei afrikanischen Professoren) Syngenta Stiftung, Basel. Möchte den Stand eines vor 5 Jahren begonnenen Projekts kennen lernen. CIMMYT, Mexico (FAO Mais-und Getreideforschung Institut) und KARI (kenyan. Agrarforschung) versuchen ohne Multis einen auf lokalen Sorten basierenden und den Klimazonen angepassten Bt-Mais zu züchten, der den Maiszünsler ausschaltet.
2005 Literaturpreis des Kantons Zürich für «Blitz und Liebe».
2005 – 2016 Zahlreiche Publikationen zu Mission und Religion, sowie Erzählungen und Lyrikbände, verbunden mit Auftritten als Erzähler und als Referent.
2014 Preis der Pro Litteris für sein Lebenswerk.
2015 Erscheinen von «Afrika im Gedicht», der Anthologie, an der er jahrelang gearbeitet hat, mit Unterstützung von SammlerInnen und ÜbersetzerInnen und seiner Lektorin Lotta Suter. Dass er zahlreiche Dichter und Dichterinnen gebeten hatte, selber Gedichte auszuwählen, macht die Auswahl besonders. Gegen alle Skepsis von Fachleuten wurde das umfangreiche Buch ein Erfolg. Es war auch Ausgangspunkt der Ausstellung «litafrika – Poesien eines Kontinents» von 2022 im Strauhof Zürich. www.litar.ch
2017 Erscheinen von «Agrocity. Die Stadt in Afrika». Al Imfelds Anliegen, dieses Buch auch auf Englisch und Swahili zugänglich zu machen, wurde von seinen Freunden umgesetzt.
14.2.2017 Al Imfeld stirbt in Zürich. Er wird auf seinen Wunsch auf dem Friedhof der Missionsgesellschaft Immensee begraben.

 

Lotta Suter: In aller Welt zu Hause. Al Imfeld – eine Biografie
Rotpunktverlag 2005, ISBN 978-3-85869-292-4

«Der WOZ-Redaktorin fiel sogleich die unorthodoxe Rechtschreibung und Grammatik des Journalisten Imfeld auf, doch bemerkenswert waren auch sein ungewöhnlich breites Wissen und seine Fähigkeit, neue Zusammenhänge zu sehen oder zu erahnen, die andern noch lange oder für immer verborgen blieben. Al Imfeld passte nur bedingt in die linke Subkultur der 1980er und 1990er Jahre, denn er nahm keine Rücksicht auf politische Empfindlichkeiten und Kalküle, sondern schrieb frei von der Leber weg, was er aufgrund seiner eigenen Studien, Beobachtungen und Erfahrungen für richtig hielt.»

Lotta Suter: Al Imfeld (1935-2017) – Strassen zum Himmel: Von der Mission zum interkulturellen Dialog In: Angela Berlis, Stephan Leimgruber und Martin Sallmann (Hg.): Aufbruch und Widerspruch. Schweizer Theologinnen und Theologen im 20. Und 21. Jahrhundert. TVZ 2019, ISBN 978-3-290-18147-5