Wo liegen Ansätze zur Veränderung?


Vorbemerkung:
Es geht um eine Checkliste. Begreiflicherweise kann nicht alles sofort und gleichzeitig angefasst oder gar vollzogen werden. Die gut 30 Punkte werden nicht  des Langen und Breiten ausgeführt; primär geht es um Hinweise oder Pointers, um Denkstimulanzien und Anregungen.
Mai/Juni 2009

Bereiche, 
auf die afrikanische Länder in den kommenden 100 Jahren 
das Augenmerk ganz besonders richten sollten

Vorbemerkung:

Entwicklung ist ein langwieriger Vorgang und er benötigt mehrere Generationen, die sich schrittweise und systematisch nicht nur darauf einstellen müssen, sondern auch neue Traditionen schaffen. Es braucht sowohl neue Assoziationen, Reflexe, Vorstellungen und Visionen; neue Selbstverständlichkeiten müssen in den Köpfen Einzug halten. Hierfür muss so etwas wie ein Klima geprägt werden. Allein schon für den Ansatz braucht es drei Generationen. Das Wichtigste ist jedoch, dass begonnen wird oder dass gewisse Richtlinien in eine Zukunft mit mehr Menschlichkeit und Gemeinschaften führen. 
Aus  Seminaren und vielen Diskussionen gingen die folgenden Schwerpunkte hervor. Das Folgende darf nicht als ein Programm sondern eher als eine Orientierungshilfe verstanden werden. Der ganze Strauss gehört irgendwie zusammen, wenn auch nicht alles auf einmal ausgeführt werden kann und es sehr wohl sein mag, dass sich aus einer Anstrengung ganz selbstverständlich ein Anschlussprogramm entwickelt. Selbstverständlich führe ich bei weitem nicht alles auf, denn es geht um Schwerpunkte, resp. wichtige Einschnitte.
100 Jahre spornen an; die Zahl 100 hat sehr viel Symbolkraft und trägt wesentlich zu Nachhaltigkeit (sustainability) bei. 
Im Folgenden wird nicht auf Vollständigkeit geschaut; es wird um zentrale Themen herum gebündelt und damit Illustration und Ansporn gegeben.




Anzeige # 
Titel
01. Zuerst gilt es, aus der Fessel einer Grossfamilie, die verzweifelt, kopflos und klettenhaft zusammenhält, herauszukommen. Doch wie?
02. Der Übergang von einer Kolonie zu einer Nation wurde weder überdacht noch vorbereitet; man nahm an, er finde automatisch statt. Afrika muss zu einem anderen Ausgangspunkt zurück. Der Anfang eines neuen Staats fand noch nicht statt.
03. Kann auf dem kolonialen Hintergrund schon kein Staat, dann noch weniger eine Demokratie aufgebaut werden.
04. Afrika südlich der Sahara hat weder eine Aufklärung noch eine Entmythologisierung hinter sich.
05. Afrika südlich der Sahara muss ein eigenes demokratisches System entwickeln. Es wird ein Hybrid, also eine Mischung sein. Afrika kann nicht einfach von irgendwo im Westen Politik kopieren.
06. Die vom Kolonialismus gesetzten Grenzen können nicht rückgängig gemacht werden, ohne alles auseinanderfallen zu lassen.
07. Afrikas Menschen müssen überlegen, was die koloniale Freizügigkeit bedeutete. Es war eigentlich eine Handelsfreiheit, basiert auf einer gemeinsamen Sprache, etwa zwischen dem heutigen Nordnigeria und Niger (Hausa und Fulani). Das heisst aber nicht, da
08. Man soll nicht für die Förderung der Lokalsprache abstrakt oder ideologisch eintreten, um eine relativ kleine Einheit zu fördern, bevor nicht ein grösseres Ganzes zusammenhält. Die Kolonialsprachen haben für den Übergang zur Entstehung eines Staates i
09. Man schliesst besser bestimmte Landesgegenden oder benachbarte Teile zu einem Unionsstaat zusammen. Es sollten jedoch Teile aus derselben kolonialen Tradition, also entweder anglo- oder frankophone Teile sein.
10. Sezessionen mit und durch Krieg oder Zwist müssen mit allen Mitteln vermieden werden. Man denke an die Schrecken eines Biafra Kriegs zurück.
11. Trennungen, resp. Separation, die auf Ideologie (meistens Rassismus) basieren, darf es auf keinen Fall geben. Eine Opposition ist kein Grund zu einem neuen Staat.
12. Das heutige Afrika muss an eine innerafrikanische und regionale Diplomatie denken, d.h. es muss Institutionen geben, die einzelne Regionen miteinander ins Gespräch bringen und wo verhandelt werden kann.
13. Durch die grossen territorialen Wanderungen bedingt, kann es auf dem Kontinent kein Bürgerrecht, das auf einem (heutigen) Staat basiert, geben.
14. Afrika sollte früher als andere Kontinente oder Grossräume der Welt zu einem Kontinentalpass übergehen. Man könnte daneben ruhig den Ausweis für einzelne Länder lassen. Doch höher stände der Afrika-Pass.
15. Vielleicht kommt der Afrikaner über diese interkontinentale Überbrückung leichter zu einem Verständnis der Menschenrechte, die aus der Menschenwürde hervorgehen.
16. Die innerafrikanische Migration soll nicht verboten werden; man soll gerade in Afrika mit offenen Grenzen für die Menschen arbeiten.
17. Laut UNCTAD-Studien haben alle 54 afrikanischen Länder zusammen etwa 12'000 Zoll- und Gebührenschranken. Dieser gilt es ledig zu werden, lange bevor es um die WTO Forderungen geht.
18. Afrika braucht eine radikale Weiter- Entwicklung der Grundstrukturen. Energieversorgung, Strassensysteme, öffentlicher Verkehr und Kommunikationssysteme sind primär das, was unter Entwicklung grundsätzlich zu verstehen ist.
19. Das heutige Afrika benötigt dringend eine geplante Stadtentwicklung; Landwirtschaft hat nicht Priorität und kann später drankommen.
20. Da die Stadt auswuchert, hat der Stadtrand Priorität in der Entwicklung.
21. Eine afrikanische Grossstadt braucht einen öffentlichen Verkehr. Stadtrand und Zentrum müssen im Halbstundentakt erreichbar sein.
22. Parallel dazu hat sich ein Kleingewerbe zu entwickeln. KMU könnten aus dem Boden schiessen. Dazu muss ein Kleinkreditsystem entwickelt werden.
23. Für Frauen, bescheidene und kleine Leute muss das Tontine weiter entfaltet werden. Die Tontine-Teilnehmer dürfen nicht aus dem Clan oder derselben Grossfamilie stammen. Mit Tontine könnte das „familiäre“ Klüngelwesen etwas entflochten werden.
24. Afrikaner investieren nicht zuhause. Selbst das Geld der Reichen liegt im Ausland. Wie bringt man Geld zurück nach Afrika?
25. Das Heimbringen von Geld und Personal gehören zu einer Wende der Entwicklung.
26. Afrikanische Länder sollten schrittweise eigene Forschungsprogramme auf die Beine stellen. Gibt es hierfür ein internationales Sponsoring?
27. Eigentlich müssten afrikanische Staaten stets zwei Präsidenten haben, alternierend, obwohl gleichzeitig, doch einmal der oder dann die mit Stichentscheid.
28. Militär hat definitiv in den Hintergrund zu treten. Die Trennung zwischen Militär und Zivilgesellschaft muss klar sein, d.h. das Militär darf niemals für interne Ordnungsaufgaben eingesetzt werden.
29. Die Polizei darf auf keinen Fall bestechlich sein; soll halb männlich, halb weiblich sein; soll auch sozial geschult werden.
30. Afrika benötigt sukzessive die Entwicklung eines eigenen Rechtssystems.
31. Um verschiedene soziale Spannungen (meist historisch bedingt) etwas zu lindern oder um Verbrechen der Vergangenheit aufzuarbeiten, braucht jedes Land seine Vermittlungs-, Friedens- oder/und Versöhnungskommission.
32. Dringend müsste an Ansätzen für ein Sozialversicherungssystem, eine Altersversorgung, eine Krankenkasse gearbeitet oder nachgedacht werden. Die Problematik des Grossfamilienklüngels kann nur über minimale andere Absicherungen gelöst werden.
33. Langsam muss ein Steuersystem entwickelt und aufgebaut werden. Es kann nicht nur die Warenumsatzsteuer sein, denn so entfliehen die Reichen (und diese gibt es in Afrika) der Steuer.