Wohin geht es weiter?

Wohin geht es weiter?


Selektive Einstimmung

Seit dem 2. Weltkrieg 1945,
besonders seit dem Ende der 50er Jahre,
ist die Welt zuerst langsam und mühsam,
dann immer schneller und unüberblickbarer
- trotz beschleunigter Kommunikation -
eine andere geworden.
Neben dem blinden Nationalismus
kommt ein Internationalismus hinzu.

  • Wir sind aus der Enge Europas mit einem starken Eurozentrismus mehr und mehr ausgebrochen, Globalisierung war im Kommen: mit all den damit verbundenen sowohl positiven wie negativen Problemen.
     
  • Grundsätzlich war Folgendes geschehen. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs bestand die Welt aus Europa und Nordamerika; der Rest der Welt waren oder bestand aus Kolonien. Drei Kontinente waren Kolonie; man stelle sich das vor. Und nun begann der Auflösungsprozess. Selbst Linke haben diesen Vorgang lange kaum beachtet, und als er stattfand tendenziös als Globalisierung missdeutet.
     
  • Das ist der Grund, warum Afrikaner alle Weissen (von Ostsibirien bis Falkland) als Europäer bezeichnen.
     
  • Die im 19. Jahrhundert entstandenen Nationen mussten an neue Grenzen und Dimensionen, an Eingrenzung, denken.
     
  • Auf der Nachkriegsgrundlage entstand 1945 aus dem früheren imperialen Völkerbund heraus die UNO, in der alle, sowohl alte wie neue Nationen vertreten sind, um Gemeinsamkeiten unter allen zu suchen und zu finden, eine internationale Verantwortung zu entwickeln.
     
  • Die neuen Staaten erhielten jedoch nicht das gleiche Gewicht wie die alten, vor allem imperialen Staaten in der UNO. Der Sicherheitsrat ist noch immer ein koloniales, resp. Kalte-Krieg-Gefüge (etwa das Vetorecht).
     
  • Manche der UN Unterorganisationen haben die Welt seither geprägt, etwa UNESCO, FAO, WHO, ILO, GATT (WTO), UNHCR, UN Food Program, UNCTAD, etc.
     
  • Auch Europa hat sich neu, d.h. primär wirtschaftlich und ein wenig politisch, geeinigt; aus einer Montanunion entwickelte sich langsam die Europäischen Union, die EU, mit heute 27 Mitgliedern.
     
  • Sowohl die Mühlen der UNO als auch der EU mahlen langsam, Demokratie ist insgesamt zeitaufwendig und benötigt viel Bürokratie.

 

Gesprengt wurde
sowohl im Kopf und der Vorstellung als auch wirklich
die alte Welt durch die Weltraumforschung
und die Reise zum Mond, etc.

Ganz neue Dimensionen wurden eröffnet;
die Welt ist für die Menschen grösser geworden;
darin hat u.a. ein biblischer Fundamentalismus keinen Platz mehr.

  • Menschen lernen langsam, dass es verschiedene Sprach- und Denkweisen gibt, vor allem mythische und historische, man kann etwas direkt oder zeichenhaft ausdrücken.
     
  • Aufklärung bedeutet auch, einen Unterschied zwischen sacred and profane (Mircea Eliade) machen. Säkularisierung ist nichts Schlechtes.
     
  • Es gab in dieser Zeit überall und in jedem Bereich Bewegungen; es war ein Wegkommen vom rein horizontalen Denken des kirchlichen wie weltlichen Feudalismus zur horizontalen Orientierung.
     
  • Man kippe jedoch nun nicht ins Gegenteil, indem alles nur noch horizontal betrachtet wird. Es muss sich kreuzen; es gibt ein Oben und ein Unten.
     
  • Oft kommt heute das einstige Oben als Esoterik daher.

 

Die Kolonialreiche begannen sich nach 1945 aufzulösen;
1947 wird Indien unabhängig.
1957 wird Ghana unabhängig,
1960 waren es gleich 27 neue Staaten Afrikas, die entstanden; inzwischen gibt es 54 afrikanische Staaten.
Sukzessive wurden asiatische und karibische Kolonien frei.
Mit den neuen Staaten entstand ein neuer Block,
nämlich die Blockfreien.

 

  • Aus Kolonien sollten in Windeseile Nationen werden
     
  • Gleichzeitig wurde von den Ex-Kolonialisten, die wahrlich nie sehr demokratisch handelten, verlangt, dass nun Demokratie eingeführt werden sollte.
     
  • Der Westen wollte sie entwickeln, handelte jedoch stets aus Eigeninteresse und Sicherheitsvorstellungen heraus auf der Basis, dass die neuen Nationen alles importierten und auf Dollarbasis wirtschaften.
     
  • Sowjetunion und China, im Verein von Kuba, der DDR und anderen kommunistischen Ländern begannen um die neuen Nationen (im Entstehen) zu buhlen. Doch auch sie – alle – waren nicht an Eigenständigkeit und einem eigenen, resp. Anderen Weg des Aufbaus oder der Entwicklung interessiert.
     
  • Der Kolonialstatus ging auf anderer Ebene bis um das Jahr 2000 weiter.
     
  • Der Entkolonisierungsprozess hat eigentlich erst eingesetzt, denn alle Länder haben letztlich gleich wie vorher - ausser einer eigenen Flagge und einer westlich komponierten Hymne- gleich weitergelebt
     
  • Wir stehen mitten in einem weltweit gigantischen Prozess oder auf dem Weg zu weniger Kolonialismus, weniger Unterdrückung (Befreiung), falschen Abhängigkeiten (mehr Gleichheit). Diese Aufgabe steht vor jedem Kampf gegen Kapitalismus oder Kreation eines Sozialismus. Warum? Diese Begriffe sind zu komplex, um sie zu effektiv zu bekämpfen; mit Schlagworten haben wir nun 200 Jahren Erfahrung gemacht, diese jedoch auf allen Seiten nicht realistisch analysiert.
     
  • Sowohl Plato, Aristoteles oder Thomas von Aquin als auch Marx , Engels, Lenin, Mao oder Castro und Che Guevara sind historische Figuren, aber für die Gegenwart genauso wenig relevant wie Kirchenväter. Sie zeigen höchstens, wie man sich mit Zeitlagen und Gegenwartsproblemen auseinandersetzen kann. Grundsätzlich lernt man aus der Geschichte nicht.


1989 ging der Kalte Krieg zu Ende; die non-aligned countries (NAC) haben seither viel von ihrer Existenzgrundlage verloren, dennoch Institutionen sterben schwer.

 

Ein ähnliches Schicksal trifft die in Genf stationierte UNCTAD, die 1964 von NACs begründet wurde. Man stellte sich gegen die damalige GATT; inzwischen wurde aus der GATT die WTO, an die sich eigentlich die UNCTAD anschliessen müsste.

Gleiches muss auch für die NATO gesagt werden. Aus einer Kalten- Krieg-Organisation kann nicht - mir nichts dir nichts - ein Friedensorgan entstehen. Ihre Zeit ist vorbei.

Einst geschaffene Institutionen bleiben krampfhaft bei den alten Zielen stehen, haben Mühe, sich neuen Situationen und veränderten Zeiten anzupassen; sie sterben schwer. Aus einer alten Aufgabe entsteht nicht ohne radikale Veränderung ein neues nützliches Organ.

 


Wir haben beginnend mit dem Mau – Mau - Aufstand (1952-55) in Kenia, später in Algerien (1954-62) und dann definitiv in Vietnam (ab 1964), kulminierend in Afghanistan/Pakistan neue Formen des Kriegens erlebt.

 

  • Vietnam zuerst und nun Afghanistan zeigen, dass sich die „neuen“ Soldaten nicht mehr in Uniform erkenntlich geben.
     
  • Auch traditionelle Fronten gibt es in Zukunft nicht mehr. Die Feinde sind nicht mehr Staaten, selbst wenn Politiker sie zu Schurkenstaaten zu einer Einheit zusammenfluchen, sondern „wilde“ Interessengruppen (moderne Wegelagerer), die weltweit zerstreut sein mögen.
     
  • Die einstigen Armeen haben eigentlich ausgekämpft und ihre Aufgabe verloren. Man spielt im Grunde Bubenspielchen, eine psychische Regression in die Pubertät.
     
  • Dennoch geht die Aufrüstung weiter. Ein Widerspruch, den sich vor allem die armen Länder nicht leisten sollten.
     
  • Mit Erhalt oder Schaffung von Arbeitsplätzen den Waffenhandel zu rechtfertigen, ist zynisch und chauvinistisch, basierend auf dem Prinzip, solange es mich nicht trifft, ist es gut.
     
  • Durch die Gegebenheit einer Verwilderung der neuen Kriege haben Frauen und Kinder jeglichen Schutz verloren. Ein neues humanes Völkerrecht in Bezug zu Kriegssituationen muss entwickelt werden.

 

Atomkriege mögen schrecklich sein, doch das, was wir in Jugoslawien, Afghanistan, Pakistan, Irak, Rwanda, Kongo, Liberia, Sierra Leone und Algerien (mit Kindersoldaten und systematischer Vergewaltigung aller Frauen) erlebt haben ist der nackte Horror.

Es kam seit den 70er Jahren weltweit zu starken Frauenbewegungen, auch Feminismus genannt. Frauen fordern gleiche Rechte. Ihre geheimen Gegner sind die Religionen mit „ihren“ Kirchen und dem damit gegebenen Patriarchalismus.

Die Frauenfrage wurde weltweit, wenn auch kulturell verschieden (USA, Europa, Islam, etc.), diskutiert, marxistisch in Lateinamerika und Europa, mehr taoistisch-buddhistisch in Asien (Südkorea), in Afrika vor allem in der Literatur.

Wichtig und geschichtsprägend waren die feministischen Bewegungen der letzten 50 Jahre.

Zum Teil aus der feministisch angehauchten Bewegung (Frau Carson mit Silent Spring, und Murry Bookehin in USA die Deutsche Dorothe Sölle mit Politischen Nachgebeten) erwuchs die Ökologie-Bewegung. Zur geistigen Auseinandersetzung trugen die physischen Fakten stark bei (CO2 –Belastung, vermehrte Katastrophen, kaputte Umwelt, Entsorgungsprobleme mit Altlasten).

Atom und Gen bringen neue Möglichkeiten in die Welt: Vielen macht das Angst. Vor allem Frauen engagieren sich weltweit; sie nennen sich „Frauen für den Frieden“. Andere schliessen sich an, doch denen geht es meist um Gesundheit. Gesundheit wird zum modernen Fetisch

 


Die grossen Zäsuren

1945
Ende des 2. Weltkriegs; Schaffung der UNO; Beschluss zu einem Marshall-Plan zum Wiederaufbau Europas. Das kann nicht mit späterer Entwicklungshilfe verglichen werden.

1956
Die asiatischen Unabhängigkeit führt mitten im Kalten Krieg zur Gründung eines 3. Blocks, der Blockfreien. In den USA führt Martin Luther King die Bürgerrechtsbewegung zur Erlangung des Wahlrechts für die Schwarzen an. In manchen Ländern (incl. Schweiz) haben Frauen immer noch kein Wahlrecht.

1960
In diesen Jahr wurden 27 afrikanischen Kolonien unabhängig. Vorausgegangen war Ghana 1957; 1958 hatte Guinea Frankreich ein NON entgegengeschmettert. Die USA und der Westen sind über das Schicksal Südamerikas besorgt. Fidel Castro hatte ein Zeichen gesetzt; ob nun Lateinamerika kommunistisch würde, das war die Sorge. John F Kennedy legt für den Kontinent ein gigantisches Entwicklungsprogramm vor; weltweit ziehen religiöse Hilfswerke (Misereor, Adveniat, FO) nach. Papst Johannes XXIII. will ein Konzil für ein aggiornamento einberufen (Vaticanum 2).

1968er
Bewegung verursacht Unruhen in Europa; die Jugend steht auf und protestiert gegen eine fast diktatorische Autorität; auch sie will „befreit“ werden. Die Erwachsenen haben bis anhin nicht realisiert, dass auch sie Kolonialisten gegenüber ihren Kindern waren. Das Zusammenleben und die Familie begannen sich sukzessive zu verändern.

1972
kommt es zur dramatischen Erdölkrise und der Gründung der OPEC gegen den Westen. Westliche Menschen werden nachdenklicher über ihr Verhältnis zu den Ressourcen. Der Club of Rome stellt Wachstum in Frage.

1989
Fall der Berliner Mauer; der sowjetische Block zerfällt. In Südafrika wird Nelson Mandela nach 27 Jahren frei und das langsame Ende der Apartheid kommt in Gang. Weitere Mauern (Korea, US-Mexico, Zypern) bestehen oder werden neu gebaut (zwischen Israel und Palästina).

2001
Am 11. Sept. werden in Manhattan, NY, die zwei Türme mit Flugzeugen zerstört. Der Kampf gegen den Terrorismus setzt unter Präsident George W Bush massiv ein. Verdächtig werden fortan alle Muslime; Politik verhetzt den Islam. Die Politik hat wieder ihren Kalten Krieg; Islamismus und Fundamentalismus erschüttern die Welt. Vom Kalten Krieg sind wir übergegangen zu einem Pseudo-Religionskrieg (Djihad). Man spricht von einem Kampf zwischen Kulturen (Samuel Huntington; die Idee kam von Fukyama, Ende der Geschichte 1992) und/oder Religionen.

2007/08
Finanzkrise bricht über Welt herein. Lehmann Brothers – wie ein Fanal – gehen bankrott. Die grössten Finanzhäuser und Banken der Welt benötigen staatliche Hilfe, um sie vor einem Kollaps zu bewahren. Spekulationen liefen zu rasch; alle Institute wollten immer grösser werden, bis alle die Übersicht verloren.

2009
Barack Obama folgt Präsident G.W. Bush und setzt mit einer neuen Politik ein: YES WE CAN. Er wird rasch zu einem weltweiten Hoffnungsträger. Seit 1960 besitzt die Welt einen 2. Hoffnungsträger aus den USA: John F Kennedy und Barack Obama; Nelson Mandela wird zum Symbol der Zukunft für Afrika; In Lateinamerika hat sich einiges getan: man stellt einen Sinneswandel fest von Lula bis Chavez. Die Rolle Kubas überholt sich mehr und mehr.

 

Ein neues Denken im Entstehen

  1. Das traditionelle dualistische Denken hat im Pluralismus keinen Platz.
     
  2. Die alte Deduktion (aristotelisch – thomistisch) ist eingleisig und vermag Wirklichkeit nicht zu fassen. Sie lässt Raum ausser Acht.
     
  3. Man hat wie der japanische Maler und Holzschneider Hokusai den Fujiyama mindestens aus 100 Standpunkten anzuschauen und darzustellen, um etwas vom Ganzen zu erahnen (One Hundred Views of Mt. Fuji).
     
  4. Das heisst, dass man ein Problem, ein Objekt oder eine zu erfassende Sache einkreisen muss. Deduktiv wird kein Fuji erfasst; eine Ansicht allein ist bloss ein Ausschnitt.
     
  5. Kein Weg ist geradlinig – ausser im Krieg oder in Blindheit.
     
  6. Das Entweder-oder ist unsinnig, denn sogar im Zwischendrin gibt es eine Million Möglichkeiten.
     
  7. Das hat nichts mit Beliebigkeit oder Postmodernismus zu tun. Die alte Methode ist ein Produkt einer Borniertheit oder auch eines Fundamentalismus.
     
  8. Selbst das Alltägliche und Gewöhnliche haben einen Platz im Ganzen; ihre Existenz muss ernst genommen werden; selbst Kunst lebt nicht von Erhobenheit und Eliten. Das ist auch eine Folge von Säkularisierung und Demokratisierung.
     
  9. Der Mensch lebt zusammen mit Tieren, Pflanzen, Bakterien und Viren, Mineralien und Kosmogonien. Wir kommen etwas weg vom alten Anthropozentrismus.
     
  10. Natur und Kultur rücken zusammen, und keiner vermag sie in Zukunft dualistisch gegeneinander auszuspielen.
     
  11. Wir bewegen uns auf verschiedenen Ebenen und leben deshalb mit mehreren Identitäten. Integration legt daher das Gewicht falsch und müsste eher durch Wendigkeit und Balancieren im Umgang mit verschiedenen Identitäten und Gegensätzen ersetzt werden. Identität tendiert auf Einheits- oder Monokultur hin.
     
  12. Ein Wort allein darf in Zukunft nichts mehr einfangen; es kann höchstens Ausgangspunkt oder Aufhänger sein. Es genügt daher nicht einfach „Toleranz“ oder „Integration“ - auch im Politischen – isoliert oder alleinig zu benutzen.

 


Religion und Theologie:
Andere Konstellationen und Konfrontationen

 

Eine neue Ökumene im Werden

  • Christentum hat auf protestantischer Seite seit 1947 den Weltkirchenrat; 
    der Katholizismus bekam mit Papst Johannes XXIII. ein Aggiornamento durch das 2. Vatikanische Konzil; 
    der Islam kam durch starke Migration nach dem Westen in eine Krise des Selbstbewusstseins. 
     
  • Beide Bewegungen sind müde geworden; Traditionalisten kamen und kommen hoch;
     
  • beide christliche Konfessionen sind in Auseinandersetzung sowohl mit Judentum als auch Islam. Die Christen hatten mit dem Judentum einerseits den Holocaust zu verarbeiten und andererseits sich mit den Palästinensern auseinanderzusetzen.

  • Mission im bisherigen Sinn kommt heute in allen Religionen nicht mehr in Frage.
     
  • In allen Religionen keimen z.T. sehr unterschiedliche Befreiungstheologien.
     
  • Im katholischen Bereich von Lateinamerika und im evangelischen Raum von der USA (Black Theology) bis in den asiatischen Raum hinein entstand als nachkolonialer Versuch die EATWOT-Bewegung, ein Versuch, den Kolonialismus und die Unterdrückung aufzuarbeiten, um sie aus dem christlichen Raum zu bannen. Es ging gegen die westliche Bevormundung; ehemalige Missionskirchen verlangten Eigenständigkeit und Respekt. Es entstanden Theologien des Wasserbüffels und des Reis (Koyama, Japan-Thailand), des Tees (Balasuriya, Srilankese), der Hirse (J-M Ela, Kamerun), der Kokosnuss (Song, Taiwan), Minjung Theologie in Korea, usw.
     
  • Viele Phänomene können auch unter Aufklärung betrachtet werden, etwa beim Islam oder auf dem lateinamerikanischen Kontinent.

 

 

Ethik gefordert

  • Ein neues Weltethos wird von Hans Küng und dem Dalai Lama angestrebt. Das klingt etwas rhetorisch, doch wenn man Welt mit Menschen in Zusammenhang bringt, kann es Völker- und Menschenrechte zum Ausgangspunkt nehmen.
     
  • Selbst in der Wirtschaft und vor allem bei einigen Multinationen hat die UNO beigetragen, dass ein Verhaltenscode (corporate social responce, global compact) eingeführt wird.
     
  • Wir lösen uns langsam vom Anthropozentrischen. Alles Lebende und Existierende verdient Respekt und Ehrfurcht.
     
  • Wir sprechen daher sogar von Rechten der Tiere und Pflanzen.
     
  • Es entstand eine Ökologie-Bewegung, die mehr Rücksicht von der „Natur“ abverlangt.
     
  • Nachhaltigkeit ist zum Schlagwort geworden; es kann unmöglich nachhaltig sein, wenn kotierte Firmen heute vierteljährlich Bericht abgeben müssen, Leben kann nicht jederzeit in allen Bereichen nachhaltig sein, denn Tod und Zerstörung gehören essentiell zum und sind Teil des Lebens.
     
  • Gesund ist ein weiteres modernes Schlagwort. Alles sollte jederzeit gesund sein, obwohl es das gar nicht sein kann. Bio – als Beispiel – muss nicht nur gesund sein, sondern etwas Inneres ausstrahlen oder Seele besitzen. Es ist monokausal und daher irreführend, wenn die Atom- oder Gen-Debatte (nur) unter dem Gesichtspunkt der Gesundheit betrachtet werden.
     
  • Ein schwieriger Begriff ist gerecht, denn nie kann etwas auf Erden voll und ganz gerecht sein. Gerechtigkeit kann nur angestrebt werden. Bescheidener ist das Wort fair.
     
  • „Bewahrung der Schöpfung“ ist genauso unpräzise wie nebulös, denn was ist Bewahren in einer sterblichen Welt und was ist Schöpfung im Kontext von Evolution? Warum nicht einfach „mehr Respekt und Ehrfurcht vor Nächsten und Umwelt“ oder etwas anderes.
     
  • Wichtige – mehr konkrete - Werte, jedoch immer im Verbund, sind Verlässlichkeit, Kontinuität und Rücksicht.
     
  • Man hinterfrage Begriffe, bevor sie zur Lüge werden, etwa Resozialisierung der Gefangenen. Was ist Strafe? Und was ist eine gerechte Strafe? Was ist heute (!) politische Verfolgung? Was heisst sans papier für bestimmte Gegenden der Welt und mit maliziösen politischen Systemen, die ihren Bürgern bewusst keine Papiere aushändigen? So ist es mit allen Gesetzen (incl. der 10 Gebote), die vor Generationen erlassen wurden. Ihr Kontext und die Kultur waren damals anders. Gesetze sind ja da für die Regulierung einer bestimmten historischen Gesellschaft mit einem gewissen Zeitgeist.
     
  • Selbst bei der Demokratie gilt es zu differenzieren; man hat herauszufinden, was nicht demokratisch geregelt werden kann, etwa Kunst, an die sich Menschen immer wieder gewöhnen müssen und die also nicht zum voraus festgelegt ist. 
     
  • Genauso ist es mit dem Asylwesen oder dem Umgang mit Verurteilten, Fremden oder Minderheiten, wo Vorurteile derart massiv Menschen beeinflussen, dass zuerst durch Experimente ein Umdenken eingeleitet werden muss. Wo massive Eigeninteressen vorherrschen, wird aus Demokratie Lobbyismus. Bürger sind einfach nicht immer kompetent.
     
  • Selbst Parteien sind Machtgefüge, sie sind „zivilisierte Diktaturen“, wen man an Fraktionszwang u.a. denkt. Einen demokratischen Abstimmungskampf gibt es nicht.
     
  • Was ist Vergeben? Ich meine, dass genauso wie Todesstrafe eine zeitlose Verwahrung gegen die Würde des Menschen ist. Doch Geld und Sparen sind derart in den Vordergrund gerückt worden, dass langwierige Aufgaben einfach abgeschoben werden. Man könnte heute statt an Gefängnisse an (alte und neue) Klöster denken.
     
  • Wichtige Orientierungen sind reflektierte Reflexion, Dynamik, dauernde Verbesserung im Zusammenhang der zunehmenden Beschleunigung und Innovation.
     
  • Alles müsste im Dienste von Menschen und ihrer Gesellschaften sein.
     
  • Geschützt muss nicht primär die sog. Natur werden, sondern der Mensch und seine Gesellschaft, der ein äusserst verwundbares Wesen ist.
     
  • Natur und Kultur sind wieder eins geworden. Jede Natur ist geworden, hat also eine Kulturgeschichte. Manche Grüne und Naturschützer scheinen das zu vergessen.

 


Religionswissenschaftliche Gesichtspunkte

  1. Entmythologisierung ist weder eine Zerstörung noch ein Abfall von Glauben. Sie unterscheidet einfach verschiedene Ebenen.
     
  2. Jedes Hl. Buch ist nur ein Ausgangspunkt, niemals ein Schlusspunkt.
     
  3. In den meisten Buchreligionen wird Offenbarung falsch verstanden, denn wenn Gott zu Menschen spricht, kann er es gar nicht anders als sich Menschen mit ihrem Kontext oder ihrem Zeitgeist anzupassen, sonst würde er gar nicht verstanden. Weder Moses oder Jesus noch Mohamed konnten einen Schlusspunkt setzen. Diese Propheten sind Ausgangspunkte, kein endzeitliches Produkt.
     
  4. Wir kommen ans Ende von Apokalypsen, Chiliasmus oder Eschatologie. Das können höchstens mythische Konnotationen sein, niemals Wirklichkeitsprognosen. Man kann höchstens Vergänglichkeit darunter verstehen, nicht jedoch einen Weltuntergang oder eine Katastrophendeutung.
     
  5. Widersprüche in Hl. Schriften müssen gar nicht gegrädet werden. Realistisch betrachtet besteht das Leben – und somit auch das der Propheten – aus Widersprüchen.
     
  6. Beschönigen ist dumm. Das was Päpste oder auch China als Staat tut, ist lächerliche Machtverteidigung.
     
  7. Niemand kann Geschichte rückgängig machen. Man kann keine Rechte auf Grund des Einst ableiten.
     
  8. Man könnte einmal als Beispiel die Auferstehung Jesu nehmen, die jeder Evangelist plus Paulus anders darstellt. Rein historische oder gar juristische (wie ein englischer Bestsellerautor) Analysen werden zusehends lächerlich, weil sie nur ein eindimensionales Denken offenbaren.
     
  9. Religionen haben sich von Wundern als Wirklichkeit zu distanzieren. Sog. Wunder sind etwas sehr komplexes, vom symbolhaften bis zum psychopathischen, etc.
     
  10. Alle Assoziationen mit Blutopfern gehören einer vergangenen Zeit und Denkweise an. Warum braucht es blutige (selbst wenn sie symbolisch und transsubstantiell oder rituell sind) Opferung von Schafen, aber auch Jesus zu unserer Erlösung.
     
  11. Es wäre an der Zeit, endlich die verschiedenen Formen von Freitod oder Suizid zu überdenken. Man muss Spuren und Zeichen zu lesen wagen. Es gibt rituelle, religiöse (im Islam), militärische (Harikiri) und soziale Selbstmorde. Es kann doch kein Zufall und sinnlos sein, wenn bei France Télecom bis zum 4. Okt. 2009 24 Menschen sich selbst umgebracht haben.

  12. Was ist eigentlich ein Opfer? Warum muss sich ein Mensch blutig opfern?
     
  13. Was soll eine Erbsünde sein? Der heutige Mensch, auch auf Grund der Vererbungslehre, kann so etwas weder verstehen noch gerecht finden. Hat denn Gott die Menschen bereits als Gedemütigte gewollt?
     
  14. Genauso muss jeder Sündenbegriff unter die Lupe genommen werden. Sünde sollte einen viel grösseren Bezug zu Menschen, Gesellschaft und Natur haben. Eine individuelle Sünde ist fragwürdig.
     
  15. Ist Barmherzigkeit dasselbe wie Solidarität?
     
  16. Ein weiterer Begriff, der seriöser Revision bedarf, ist Volk Gottes und Heiligkeit des Volkes. Man kann kein Volk hypostasieren. Alle sind Gottes Geschöpfe, eine selektive Auswahl ist Gottes nicht würdig.
     
  17. Viel differenzierter denken lernen, z.B. Nächstenliebe ist nicht Entwicklungshilfe; Wohltätigkeit kann nicht in die Ferne oder stellvertretend wirken. 
     
  18. Was kann Ökumene ehrlich sein? Man kommt selten durch Reden zueinander, denn dieses ist mehr eine Debatte, um das Gegenüber von seiner eigenen Stellung zu überzeugen.
     
  19. Kann man nicht sowohl auf der Ebene der Religionen als auch der Konfessionen die Vielfalt gelten lassen, sich darüber freuen, andere Aspekte einer Spiritualität kennen zu lernen. Von andren lernen, ist keine Schande. 
     
  20. Jeder Mensch vermag mit mehreren Identitäten – und somit auch Religionen - zu leben: Das muss gelernt sein, dazu muss man erzogen werden. Östliche Menschen leben meist mit zwei Religionen, die eine mehr nach oben (Autorität, Himmel) ausgerichtet, die andere, die mit der Natur umgeht.

 


Kultur und Kunst

  1. Kultur und alle Künste gehören zum Fundament jeder Lebensweise. Künstler und Kulturschaffende schaffen ein gewisses Zeitklima, das wirksam wird und prägt.
     
  2. Linke und/oder sozialistische Kreise und Parteien haben wenig Verständnis und Gewicht für Kultur und Kunst gezeigt; sie haben Wirtschaft zu wichtig oder gar monokausal genommen.
     
  3. Kunst ist so etwas wie die alten afrikanischen Wurfhölzer, die zur Deutung der Vorgänge und zu Projektionen in die Zukunft eingesetzt wurden. Wir haben wieder zu lernen, Zeichen zu deuten. Kunst in der ganzen Breite ist eine Form der Vor-Deutung oder der Vorahnung.
     
  4. Ein Beispiel, etwas ungewohnt, aber dennoch hinweisend: Solange eine gewisse Musik derart laut ist, kann eine Lärmbekämpfung gar nicht seriös angegangen werden. Es wäre technologisch längst möglich, den Lärm von Flugzeugen erheblich herabzusetzen. Oder warum nicht das Militär zur Lärmforschung einsetzen? Solange die Kampfjets derart laut sind und nichts getan wird, kann nicht von seriöser Verteidigung gesprochen werden. Muss noch immer wie in mythischer Zeit mit Lärm der Feind bekämpft werden? Rücksichtnahme ist der erste Schritt zu Frieden. 
     
  5. Ich stelle fest, dass in den letzten 50 Jahren mehr Theologie in der Literatur und Kunst betrieben wurde, als an theologischen Fakultäten. Sie haben den Zeitgeist aufgegriffen und ehrliche Fragen gestellt; ich erinnere an Stücke und Romane von Ingeborg Bachmann, Simone de Beauvoir, Samuel Beckett (Warten auf Godot, Endspiel), Bertolt Brecht (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony), Albert Camus (Der Fremde, Mythos von Sisyphos), Friedrich Dürrenmatt (Besuch der alten Dame), Ernst Hemingway (Der alte Mann und das Mer), Eugène Ionesco (Die Stühle) James Joyce (Ulysses)Arthur Miller (Nach dem Sündenfall), Henry Miller (Rosy Crucifixion, Nexus, Plexus), Wole Soyinka (etwa 25 zeitkritische Stücke um afrikanische Themen), Peter Weiss (polit. Theater, etwa Vietnam Diskurs) 
     
  6. Ich weise einfach auf ein paar Ereignisse hin, die die Zeit und Gegenwart mit-geprägt haben. Ich denke etwa an das Theaterstück von Rolf Hochhuth über Papst Pius XXII. und an den Roman „Satans Verse“ von Salman Rushdie; ich weise auf die Beatles hin, die Elvis Presley and Frank Sinatra ablösten; an die Berner Troubadouren aber auch ans Kabarett. Können wir die Gegenwart ohne Landart (bis zum Landschaftstheater), ohne Max Bill oder Chagall, ohne den Filz von Beuys und die Einkleidungen durch Christo.
     
  7. Ernster muss das Gedicht genommen werden. Afrikas beste Literatur versteckt sich im Gedicht, denn es liegt dem Oralen nahe. Selbst Editorials könnten als Balladen verfasst werden. Niyi Osundare, ein bekannter nigerianischer Dichter, hat längere Zeit das politisch-wirtschaftliche Geschehen mit einem Gedicht kommentiert.
     
  8. Musik hat sich laufend demokratisiert, nicht nur dass die Oper in die Vorstadt und ins Hochhaus kam, sondern auch die Popularisierungen der klassischen Musik durch Leonard Bernstein und in seinem Geiste viele, die nachfolgten. Musik hat sich auch zu durchmischen begonnen. Heute sind sich Klassik und Jazz oder gar Volksmusik nicht mehr spinnefeind. Grenzen werden gesprengt. Sind das Vorzeichen auch für menschliches Zusammenleben?
     
  9. Architektur schafft neue Umwelten, neue Lebensgefühle und Erneuerung des Einstigen und Zerbrechenden. Die Vorstädte und Bidonvilles haben anders gestaltet zu werden, um zum Sozialen mehr Grundlagen zu geben. Der Stadtrand kann zur grössten architektonischen Herausforderung der Zukunft werden, vor allem im Zeitpunkt, da die Superstädte ins Gigantische wachsen.
     
  10. Nochmals sei wiederholt, dass wir sowohl Zeichen zu deuten, erlernen müssen, als auch Zeichen spurend zu setzen. Denken wir etwa als Beispiel an die Plastiken aus Schrott von B. Luginbühl (humorvoll-ironischene Sinnzusammenhänge aus Eisenteilen) oder Jean Tinguley (Zusammengehen von Zufallselementen; Verworfenes erhält neuen Sinn; Leben spielt auf eigenwillige Weise).

 

 


Politik: was bewirken neue Denkweisen?

  • Es gibt genauso viele Demokratien wie es Völker gibt;
     
  • Die Mehrheitsmeinung ist fragwürdig; Wissen wird weder über Religion noch Ideologie, weder durch Abstimmungen noch durch Kampagnen erzeugt;
     
  • Das Volk ist leicht verführbar oder als Masse manipulierbar; wir sind in der Verführbarkeit des Populismus (Blocher, Le Pen, Haider, Berlusconi); mit Verhetzung und Einschüchterungen sind Massen leichter blind zu führen;
     
  • Allein aufs sog. Volk zu setzen ist ein Mythos; Volk setzt sich aus Vielfalt zusammen;
     
  • Schnelle Resultate werden nicht durch Revolutionen erreicht; man haut zwar vom Alten einige Köpfe ab, doch der Umsturz ist damit nicht geschehen. Revolutionen mögen im Feudalsystem möglich sein; in der Demokratie sind sie eine Selbsttäuschung;
     
  • Geschlagen ist höchstens eine Schlacht mit blutiger Schlachtung, doch verändert hat sich dadurch noch nichts;
     
  • Diese Denkweise basiert auf den Mythen des Blutopfers,
     
  • Jede Veränderung kommt langsam, braucht viel Geduld; sie muss begleitet werden, vertieft, aber auch kontrastiert werden;
     
  • Es braucht daher Vorbilder und Führer oder Leitgestalten;
     
  • Mit sofortiger Verketzerung sollte man vorsichtig sein.
     
  • Kompromisse gehören zu einer Demokratie; ein Vor- und Nachgeben, ein Bargaining sind zwar langwierig, aber sind eben Teil einer Demokratie;
     
  • Kein Mensch besitzt die Wahrheit oder die volle Weisheit; Einzelwissen allein muss erweitert und ergänzt werden;
     
  • Jegliche Zensur ist selbst der minimalsten Demokratie unwürdig; zudem ist sie sinn-los.
     
  • Besser mehr Regulative als zuviele Gesetze;
     
  • Gesetze müssen anpassbar ans Menschliche und an Situationen sein; ein sturer Rechtsstaat ist Folter. Kein Recht ist absolut oder gilt für immer; Gesetze sind zeitlich bedingte Richtlinien; selbst ein Rechtsstaat muss wendig sein und neuen Situationen sich anzupassen verstehen;
     
  • Es braucht dringend durchlässigere Grenzen nicht nur für Waren sondern primär für Menschen;
     
  • Asylrecht muss international und nicht national angegangen werden; vergleichbar mit dem Bund und den Gemeinden in der Schweiz;
     
  • Zu einer Nation gehört heute nicht mehr automatisch eine Armee;
     
  • Langsam sollte man vom Militärdienst weg zum Zivildienst kommen.
     
  • Statt Neutralität Zurückhaltung und Gespräche;
     
  • Sanktionen und Boykotte bringen nichts; sie sind bloss Frusterscheinungen und weisen auf ein Versagen von Gesprächen und Diplomatie hin; Mediation sollte ausgebaut werden; Boykotte schaden immer den Kleinen und bringen keine Umkehr zustande;
     
  • Diplomatie hat radikal erneuert zu werden;
     
  • „Krieg gegen den Terror“ ist ein Hirngespinst militaristischer Mentalitäten; man denke daran, die Befreiungskämpfer der 60er und 70 Jahre wurden alle als Terroristen eingestuft. Das sollte endlich zu denken geben.
     
  • Eine Nato braucht es heute nicht mehr; sie war ein Produkt des Kalten Kriegs.
     
  • Minderheiten aller Art sollen ernster genommen werden; an den Rand Drängen trägt bloss zu Hass bei;
     
  • Niemand wird durch Gesetze und Verbote erzogen;
     
  • Immer mehr Gesetze sind ein Zeichen des Versagens auf der menschlichen Ebene.
     
  • Von anderen lernen ist keine Schande;
     
  • Statt bekehren sollte man aufklären, belehren und Sachen transparent machen; keine Belehrung wirkt ohne Zuneigung und Ehrfurcht. Das beruht wiederum auf Gegenseitigkeit.
     
  • Was bringen Verwahrung und Wegschliessen? Im Grunde sind die meisten Gefängnisse eine Manifestation der Unfähigkeit der Obrigkeit und dem Gesetz. Eine Folge auch davon, dass alles unter Kosten statt Menschlichkeit, unter Schutz statt unter Verantwortung betrachtet wird.

 


Sporadische Anmerkungen zur Schweiz
Als Schweizer haben wir einige Fragen, die eine zukünftige Ausrichtung betreffen, zu stellen.

  • Wie isoliert wollen wir bleiben?
     
  • Warum hängen wir so stark von den USA ab und sind hörig geworden?
     
  • Politiker müssen wieder Volksvertreter und nicht Demagogen werden. Eine Partei macht die Politiker zu „minimalisierten Diktatoren“, solange Fraktionszwang gilt. Zu viele Lobbyisten sind in der Schweizer Politik.
     
  • Bauen wir nicht zu stark auf Wirtschaft und Exporte auf und werden/sind deshalb sehr abhängig, wie die neueste Geschichte klar zeigt.
     
  • Das Bankengeheimnis ist ein Mythos; es wäre wichtiger, man bekäme endlich einen besseren Zins auf dem Gesparten.
     
  • Schweizer Politiker sind viel zu stur und zu wenig wendig und anpassungsfähig.
     
  • Im Inneren haben wir die Zahl der Gemeinden radikal zu verkleinern und Zusammenschlüsse (wie damals bei der landwirtschaftlichen Güterzusammenlegung) finden.
     
  • Die Zeit der Freiwilligkeit geht zu Ende. Alles wird monetarisiert und will bezahlt sein.
     
  • Wir haben unbedingt eine andere Einstellung gegenüber Fremden zu entwickeln und nicht nur Fremde (Touristen), die Geld hier lassen, willkommen zu heissen.
     
  • Wir haben seriös darüber nachzudenken, dass die Schweiz ein Gemisch und eine Mischkultur ist.
     
  • Parteien, die Fremde verhetzen, sind landesverräterisch, weil es zum Wesen der Schweiz gehört, andere zu respektieren.
     
  • Das Asylgesetz stammt in den Grundlagen aus dem vorletzten Jahrhundert. Politische Verfolgung ist längst anders und subtiler geworden.
     
  • Die anderen haben nicht nach unserer Geige zu tanzen. Der Schweizer muss Verschiedenheiten nicht sofort als Abweichungen von der Normalität ansehen.
     
  • Wir haben ein wenig von der Verkrampftheit inbezug auf Atom und Gen wegzukommen.

 


Ökonomie: einige fast zufällige Anmerkungen

  1. Der dauernde Kapitalismuskampf der Guten ist sinnlos, höchstens selbstbefriedigend oder phantasielos; sie sind blind und übersehen, dass es Formen des Kapitalismus seit Beginn der Menschheit gibt. Der Mensch ist eben nicht nur gut; er hat Gier und Grausamkeit in sich. Neid und Besitz sind urmenschliche Phänomene.
     
  2. Sozialismus allein ist unmöglich. Er könnte mit einer Opposition in der Demokratie verglichen werden; seine Aufgabe ist, eine gnadenlose und beständig ausbeuterische Welt kritisch zu begleiten. Sobald Sozialismus an der Macht ist, (und wir haben es erlebt) funktioniert wenig, denn er gelangt einerseits in die gleichen Sachzwänge eines Herrschaftssystems als andererseits in den Wahn der Gleichmacherei (als Gleichheit gesehen).
     
  3. Man hat daher einen Mix zu finden. Soziale Ideen einbringen, ähnlich wie in der Politik eine Opposition diese wichtige Rolle einnimmt.
     
  4. Es kann heute im ursprünglichen Verständnis keine sozialistischen Parteien mehr geben. (Wir sollten die Tatsache dass sowohl Pia als auch Jeanine grün sind, als Hinweis oder Zeichen sehen)
     
  5. Linke und Gewerkschaften sind niemals dasselbe. Diese Unterstellung ist wohl die grosse Selbsttäschung. Linke geben vor, Werte zu vertreten; Gewerkschaften sind Interessenvertreter, sehr einseitig, dualistisch, auf ihren Vorteil (zum Teil natürlich mit Recht) zu achten
     
  6. Es gibt keinen Klassenkampf, denn jede Klasse oder Masse ist durchmischt, mit widerstrebenden Interessen. Der Neid und die Eifersucht sind überall präsent. Auch unter den Kapitalisten. Neid oder Wettbewerb, das ist die Frage.
     
  7. Die Rolle der Gewerkschaften muss vom 19. Jh. Ins 21. Jh. Hineinwachsen. Arbeiter als solche sind genauso wie die Bauern eine Minderheit geworden.
     
  8. Was ist die Verantwortung der Menschen in der Dienstleistungsgesellschaft?
     
  9. Die grossen Lohndiskrepanzen zwischen CEO sei es bei Multis oder in Banken und den Angestellten müssen ausgeglichener werden. Der jetzige Zustand ist vergleichbar mit dem Boss und Arbeitern im Frühkapitalismus. Gegen das wurden die Gewerkschaften geschaffen. Eine historische Institution wird kaum je eine für Probleme einer total veränderten Gesellschaft.
     
  10. Arbeit ist heute etwas anderes als einst. Arbeitsplätze so wie im frühen Kapitalismus gibt es nicht mehr. Man kann nicht einfach Arbeitsplätze schaffen.
     
  11. Arbeit variiert heute, ein dauerndes Auf und Ab, also muss es zu Entlassungen und später Wiedereinstellunen kommen. Wie geht das? Das ist die Frage unserer Zeit.
     
  12. Wir brauchen nicht nur neue Begriffe oder Begriffe gefüllt mit neuem Inhalt, sondern auch neue Messsysteme. Es braucht heute neue Indikatoren als die eines BIP oder BSP. Man sollte auch Wohlfahrt und Wohlbefinden in der Messung einschliessen; oder Kriterien finden, die Menschenrechte oder Pressefreiheit beachten. Man kann die alte Messweise begreifen aus der damaligen Zeit heraus, doch heute besitzen wir durch die Computer andere Modellmöglichkeiten.
     
  13. Eine ganz wichtige Rolle spielen heute Konsumentenorganisationen. Ralph Nader sagte, dass sich Konsumenten genauso wie Arbeiter zu organisieren haben
     
  14. Man sollte jedoch realistisch bleiben, denn niemals ist alles gerecht – höchstens fair -, alles gesund, denn die Gesundheit selbst ist relativ.
     
  15. Wir sind ein Zeitalter der Hybridisierung getreten. Die Zukunft ist die Mischung und Vermischung. Reinheit gibt es nicht.
     
  16. Was bedeutet glücklich und zufrieden? Was ist Wohlbefinden? Wir haben die ursprünglichen Werte der Ökonomie radikal zu aktualisieren.

 


Grundprinzipien für eine realistische Ökologie

  1. Natur ist geworden, interagiert, passt sich an – immer zusammen mit Menschen und Gesellschaften.
     
  2. Die Natur erhalten, das ist ein blinder Ansatz.
     
  3. Natur ist Teil der Kultur.
     
  4. Hybrid und gemischt müssen ernst genommen werden. Ich verweise abermals auf die hybride Identität.
     
  5. Es gibt also keine Reinheit. Es gibt Scham, Rücksichtnahme, Ehrfurcht, usw.
     
  6. Es gibt weder Familien- noch Stammesblut.
     
  7. Jede Nation entstand aus Zuwandern.
     
  8. Wichtig sind Masshalten, Gegenseitigkeit; es gilt, möglichst viele Faktoren zu beachten und einzubeziehen.
     
  9. Grundprinzip sind Respekt, Ehrfurcht, Offenheit, Empathie.
     
  10. Man soll nie übertreiben und zu hoch hinaus wollen; man vermeide ausser in bestimmten Umständen eine rhetorische Sprache, also statt gerecht fair.

 


Radikal zu hinterfragende Begriffe

Mit einer langsam entstehenden neuen Denkweise müssen viele Begriffe entweder aufgegeben oder hinterfragt und mit neuem Inhalt ersehen werden. Ich setze willkürlich und beispielhaft einige kommentarlos hin:

  • Dialog zwischen Religionen
  • Dialog zwischen Nord und Süd
  • Kulturdialog
     
  • Integration
  • Nation-building
  • Toleranz
  • Sorgfalt mit den Begriffen Rassismus, Diskriminierung, Respektlosigkeit
     
  • Freundschaft allgemein
  • Friend in the US
  • Freund in Afrika
  • Partnerschaft
     
  • Reich Gottes
  • Sünde
  • Erbsünde
     
  • etc.

Alle Begriffe werden vieldeutig und verselbständigen sich. Vielen Begriffen werden Mythen und/oder Vorurteile unterstellt. Begriffe können gecoolt oder aufgeheizt werden. Hinter den meisten Begriffen stehen im Kopf Bilder. Begriffe sind Auslöser von Assoziationen. Begriffe verlieren mit der Zeit an Bedeutung. Begriffe können sich verselbständigen.

 

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Al Imfeld©
Mitte Sept. 2009