Wie kam es eigentlich dazu, dass die Kirche zusätzlich zu der Heilslehre Jesu noch so viele Heilige ins Programm aufgenommen hat?

Frage

Wie kam es eigentlich dazu, dass die Kirche zusätzlich zu der Heilslehre Jesu noch so viele Heilige ins Programm aufgenommen hat? Es gibt ja praktisch von jedem Namen und zu jeder Krankheit einen Heiligen oder eine Heilige.

 

Im Katholischen wie im afrikanischen Sufismus, aber auch annähernd so im haitianischen Voodoo, ist man überzeugt, dass es zwischen Mensch und Gott Vermittler braucht. Man geht nicht direkt zum Chef und belästigt ihn; man delegiert an jemanden, der oder die durch sein/ihr Leben einen besonderen Bezug zu einer Heilung oder ein Übel hat und überträgt seine spezifische Sorge an sie.

 

Dabei wurden auch Gestalten aus der Vorgeschichte oder früherer Kulturen mitgenommen. Man sah sich niemals von der Vergangenheit ganz abgeschlossen, denn man hat sich nicht bekehrt, um alles hinter sich zu lassen, sondern um das Vorhergehende mitzunehmen und es ins Neue zu integrieren.

 

Heilige, resp. Schutzpatrone, sind keine Götter sondern Symbol-Vertretungen oder Aspekte des Ganzen und Grossen. Es sind Zwischenwesen und Schutzgestalten im geistigen Sinn. Im mythischen Denken gehen Welten ineinander über; unser (westlicher) Raum und unsere (wissenschaftliche) Zeit existieren anders.

Man überspringt.

 

Hinter dem Ganzen steht natürlich auch eine gewisse Vorstellung vom Leben nach dem Tod. Die Verstorbenen verschwinden nicht irgendwohin in einen Himmel, sondern leben weiter, schlicht und einfach, in einem Jenseits, einer Welt ausser unserer. Statt diese Ahnen nur als böse Mahner (vergesst uns nicht!) zu erleben, übergibt man ihnen eine Aufgabe ins Positive, als Vermittler in eine wiederum weitere Welt, wo Ahnen andere Ahnen zur Hilfe aufrufen können. Wir treten ein in eine andere Form der Vernetzung, also statt nur Vernetzung unter Menschen gibt es darüber hinaus eine Vernetzung der weiteren Welten.

 

 

 

Al Imfeld

13. Nov. 13