Ein Fahrrad für die Flussgötter

Brigit Virnich, Ein Fahrrad für die Flussgötter. 

Reportagen aus Afrika. Mit einem Vorwort von Anne Will. A1 Verlag, München 2010. 224 S. 19,80 Euro/sFr 35,90 ISBN 978-3-940666-14-7

 

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Wenn sogar ich als Afrikakenner sagen kann, dass ich mit grösstem Genuss diese 19 Reportagen gelesen habe, heisst das viel. Was im deutschen Sprachraum selten vorkommt, wurde hier Wirklichkeit: Spannende Reportagen, die Einblicke in komplizierteste Umstände und Gegenden dieses geheimnisvoll gebliebenen Kontinents geben. Die Reportagen gehen von Menschlichem und Kulturellem aus, nicht vom Negativen. Über all diesen Geschichten strahlt eine Sympathie, durchmischt mit etwas Humor und Schmunzeln.

Bei der Autorin handelt es sich um eine ARD Korrespondentin, die die Kunst des Erzählens beherrscht und eben nicht nur bei Krieg, Katastrophen, Elend und Zerstörung stehen bleibt. Sie nimmt den Leser faszinierend auf Reisen ins Innere mit, etwa in den Senegal bei einer Reise durch das Land der Baobab (11-28) oder in anderer Richtung der Küste Senegals entlang mit den „Flüchtlingen“ in die Endstation Hoffnung im Norden Mauretaniens (85-94) oder ebenso eindrücklich der „Highway Gottes ins Land der Scharia“ (155-164) von Lagos bis Jos in Nigeria. Weiter. Wenn sie uns in Quartiere der Armen wirklich mitnimmt, etwa in Nairobi, Kinshasa oder Dakar und Lagos: Kein Voyeurismus sondern packender Umgang mit aller Breite der Menschlichkeit.

Wer eine Einführung in die kaum zu fassende Vielfalt Afrikas südlich der Sahara sucht, findet sie hier, von der Sahel bis nach Südafrika, von der Insel Lamu, „Insel der Imame“ (107) im Indischen Ozean bis auf den Kongo-Strom durch den gewaltigen Urwald des Ostkongos (die Titelgeschichte); von den fragwürdigen Arbeitsbrigaden in Eritrea ((211-219) zu den „Wächtern des Südens“ (73-84) in Kapstadt. Der Leser gewinnt Einblicke, ein geschriebenes Fotoalbum, wobei der Text um das Vielfache besser als die Fotos (auch im Buch) sind.

Ich stelle diesen schmalen Band stolz neben die gefeierten Meister der Afrikareportage, also zu Ryszard Kapuscinski, „Afrikanisches Fieber“, V.S. Naipaul („An der Biegung des Grossen Flusses“) oder auch Doris Lessing (etwa der Roman „Afrikanische Tragödie“). Diese Werke sind eine eigene Form afrikanischer Literatur.

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9. Febr. 2011