Dead Aid

Dambisa Moyo, Dead Aid. 

Why Aid Is Not Working and How There is Another Way for Africa. Allen Lane an imprint of Penguin Books, London 2009. 188 p. With a Foreword by Niall Ferguson.

 

Buchbesprechung Al Imfeld  Buch kaufen

Warum hat Hilfe Afrika wenig oder gar nichts gebracht? Frau Moyos Antwort ist klar: Alle haben auf Sand gebaut, oder: Hilfe ist nicht Entwicklung. Hilfe verbindet vielleicht Wunden, aber operiert nicht; Hilfe ist wie eine Kopfwehpille, die hilft, den Schmerz zu überbrücken, greift jedoch nicht tiefer und fragt nicht nach den Ursachen. Im Grunde ist das die Kritik dieser mutigen Frau aus Lusaka, Zambia.

In einem 1. Teil geht sie Unterstellungen in Bezug zu Entwicklungshilfe nach. Hilfe oder Entwicklungshilfe (EH) bewegen sich im mythischen und fast mystischen Bereich

der religiösen Nächstenliebe. Oder man meint, man könne Wunder wiederholen. Kurz und gut: Die Do-goodies gehen nichts auf den Grund, weichen der Wirklichkeit aus, haben kein historisches Verständnis, ja, sie glauben, alle Ereignisse seien wiederholbar und bewegten sich im Kreis herum. Das konkrete Beispiel ist der Marshall Plan für Europa nach dem 2. Weltkrieg Zum verwirrten Denken kommt ein falscher Wachstumsbegriff hinzu; alles, was auf dem afrikanischen Kontinent gemessen wird, basiert auf Eingebildetem und auf Informellem, oder auf Gefühl und Schuld. Wir haben Hilfe vom karitativen Charakter (charity-based aid) zu befreien. (Ein Zwischending ist die Not- oder Katastrophenhilfe)

Im 2. und längerem Teil (S. 71-154) kreiert sie sich ein fiktives Land, dieses afrikanische Dongo, und stellt fest, dass eine Entkolonisierung noch gar nicht stattgefunden und dass die Umklammerung auch nach Ende des Kalten Kriegs nicht abgenommen hat. Die EH operiert mit einem schimärischen Afrika, einem Brüsseler oder UN oder US oder arabischen AFRIKA, einem aus der Bahn geratenen Satelliten im Weltall, bloss nicht mit einem wirklichen, zerrissenen, verwirrten oder konfusen Afrika, das je nach Gegend von Grund auf neu gestaltet werden muss.. Alle, sowohl die direkt Betroffenen wie auch die in aller Welt von diesem Afrika Gezeichneten sollten an einem neuen Afrika arbeiten, und falls das nicht geschieht, dann ist alle EH letztlich oberflächlich und sinnlos. Vor Geld kommen neue Denk- und Handlungsweisen. Moyo illustriert diesen Wandel mit den Kleinkrediten und was diese in den Köpfen und in der Wirklichkeit bewirken können.

Frau Moyo sieht die Bedeutung Chinas stark in einem anderen Vorgehen als dem der traditionellen Kolonialmächte. Als frühere Mitarbeiterin bei der Weltbank kritisiert sie die koloniale Projektvergabe diese Bank, die nie mithalf, eine einheimische Industrie aufzubauen, die an keinem Aufbau einer afrikanischen Infrastruktur interessiert war, also ganz im kolonialen Verhalten. Dasselbe mit dem IWF, der ganz amerikanisch und dollarorientiert handelte, das Keimende systematisch mit neoliberalen Forderungen in Strukturanpassungsprogrammen (SAP) vernichtete. China handelt ganz anders, natürlich auch nicht uninteressiert oder ungefährlich, doch wichtig ist, dass neue Ideen ins Festgefahrene hineinkommen.

Und liesse sich mit etwas mehr Systematik und Planung das Potential der in Übersee lebenden Afrikaner in einer positiven Strukturveränderung nutzen? 5% der afrikanischen Bevölkerung lebt „draussen“ und hat 2006 20 Milliarden Dollar heimgeschickt. Die Weltbank nimmt an, dass von $100 $20 westliche Agenturen absahnen.

Frau Moyo ist überzeugt, dass freier Handel Bewegung in alles bringt. Da man Afrika sowohl nach aussen als noch mehr innerhalb vom Handel abgeschirmt hat, kann keine solide Entwicklung stattfinden.

Die Ökonomin hat in Oxford und Harvard studiert. Sie hält sehr viel von Peter Th. Bauer, einem Oxford - Ökonomen, der bereits 1954 vor EH warnte („aid diverts people’s attention from productive economic activity to political life“). Man spürt ihren starken Willen, beim Faktischen und den Zahlen zu bleiben. Sie versucht hart, Wirklichkeit zu suchen, Mythisches zu verscheuchen; sie hält sich fast britisch vornehm mit Polemik zurück, und bleibt sehr illustrativ, d.h. sie bringt Beispiel über Beispiel. Ein wichtiger Ausgangspunkt ist für Moyo Botswana, das erste afrikanische Land, das auf EH verzichtet hat.

Ihre Republik Dongo hat also ein Kleinbankensystem aufzubauen, Verarbeitung eigener Rohstoffe in die Wege zu leiten, mit den intern geschaffenen Produkten Handel zu treiben, sich von China Ansporn geben zu lassen, auf eine solide Infrastruktur loszusteuern. Dongo, resp. Afrika, darf nicht vergessen, dass ein wichtiger Teil Afrikas in der Diaspora lebt und dass diese Afrikaner in aller Welt nicht nur auf wohltätige Weise Geld heimschicken, sondern auch ihre Geistigkeit wirken lassen sollen. Diejenigen, die draussen leben, dürfen nicht ein Parasitentum zuhause stützen. Kurz gesagt: a radical rethink of the dependency model und make development happen.

Mich hat dieses Buch sehr stimuliert, und ich empfehle es allen, denen Afrikas Entwicklung entweder Fragen stellt oder gar Sorgen bereitet.

&&&

17. August 2009