Geister im Parlament

Von allen guten Geistern verlassen


Lasst bei Gott ja nie eine Geistriecherin ins Parlament hinein. Wenn es nämlich passiert, dann ist bestimmt die Regierung unmittelbar vor dem Sturz. Dass das nicht einfach Spekulation ist, zeigt das Beispiel Grönland sogar noch im Jahre 2003.

Derweil die neue Regierung ums Programm stritt, liess ein Vertreter der Opposition in der Weihnachtszeit eine weit herum bekannte Exorzistin kommen. Schon als sie die Wandelhallen und erst recht als sie die Vorräume des Parlaments betrat, warfen Geister sie fast hinaus. Wäre sie nicht im Umgang mit solchen Wesen gefeit und gewappnet gewesen, sie könnte tot sein, sagte sie. Und als sie weiter zum Sitzungsraum der Abgeordneten schritt, platzte beinahe ihr Gehör. Sie sagte später: "Mein inneres Ohr ist von den Misstönen dort drin fast gesprengt worden."

Natürlich gäbe es dafür mehrere Deutungen, etwa dass alle Geister den Innenraum verlassen haben, oder dass sie draussen auf Warteposten sind; dass die hitzigen Debatten der letzten Zeit noch immer nachhallten. Die Geistaustreiberin wollte bestimmt keine Austreibung von Fremden oder gar Feinden, nein, bloss von bösen Geistern, die Arbeit, Geld und Macht besetzt hatten. Sie bot also dem Volk eine Geistaustreibung an. So einfach wie im Mittelalter geht das aber heute nicht mehr. Einst hätte sie gebetet und Weihwasser versprengt; heute aber kostet so etwas wie jede Reinigung. Dazu kam, dass solche Arbeit viel Zeit in Anspruch nahm; dazu brauchte sie vorübergehend das Amt des Ministerpräsidenten; ganz klar, sie musste für einige Zeit die Oberste und Höchste aller Geister sein. Das kam nun wirklich einem Staatsstreich gleich. Der Lohn jedoch wäre die Rückkehr der guten Geister gewesen.

Es kam jedoch nicht so. Es gab heftigen Krach bei Abgeordneten und Volk: alle meinten, doch lieber ein paar böse Geister im Parlament als eine Hexe im obersten Staatsamt. Die Geister hatten gut Lachen, denn sie konnten bleiben.

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Al Imfeld©
11.01.03