Gedichte bei der Vernissage am 4. Juli 2013

 Diese Ausstellung hat zwei zentrale Themen:

 

  1. neue Zeichen, neues Alphabet, Symbole und Chiffren. Afrika braucht eine neue Sprache; es muss selbst unsere Schrift entkolonisieren.
  2. Diese neue Zeichen kreisen hier fast alle um Frauen, Mütter und Mädchen. Es sind Variationen unseren ECCE HOMO: Sehr das neue Bild des Menschen – in der Frau. Diese Frauenbilder sind ein subtiler Aufstand. Doch wer sehen kann, sieht es: am starken Rot klebt Blut;

die alte Zeit ist also noch nicht vorüber. Der Kampf um  Würde muss fortgesetzt werden.

 

 

 

 

Ich glaube, hinter vielen Bildern den Rechtsanwalt Ali Shahto zu sehen

 

Verborgenes Recht

 

Sein Stil gleicht einer Indiziensammlung

geheimnisville Fundstücke

kleine grössere auf dem Tableau

irdisch-sphärisch durchmischt

auf berschiedenen Ebenen

ohne direkten Zugang

wo aber steckt des Pudels Kern?

Sein Malen ist ein Ergründen

er schaut hinein in Nebel

Wirklichkeit ist längst ermordet

davon gibt es nur noch Spuren

doch wo hören diese auf

oder sind es die Ränder des Nebels?

 

 

 


 

Zum Thema einer anderen Schrift und der Frage, was wäre eine entkolonisierte Schrift?

 

 

Suche nach einer neuen Schrift

 

 

Afrikas Alphabet

ist noch nicht verbraucht

und in Schulen

gepeitscht von Lehrern

zu Schmach geschrieben

 

Afrikas Alphabet

ist jung und sprudelnd

noch nicht inflationär

die Zeichen und Worte

 

Afrikas neue Buchstaben

wie kleine Kinder sind sie

lebendig lächelnd lustvoll

wie Kinder zappeln sie

wachsen heran

zu neuen Gestalten

stellen alles auf den Kopf

um anders die Welt zu sehen

die tazt und trauert

die spricht und schweigt


 

Singhi Night

 

Träume wandern vorüber

Geister – Erinnerungen – Sehnsüchte

vermischt mit Welten

über – unter – hinter uns

Einblicke für Zeichenleser

auf das Kommende

Vorausschau aus der Nacht

wofür?

Schlafe einfach mit den Bildern

wofür?

wenn du erwachst vorüber ist die Nacht

wofür?

traurig trüb beginnt der Tag

wofür?

bis ein anderer Traum vorüberzieht


 

Der Frau eine neue Stellung geben; sich etwas von der Welt der Männer abkehren; weg von Blut und Krieg, Macht und Gier, hin zur Schöpfung und Lebensfreude.

 

 

Kush Day

 

wir vergessen den Alltag –- das Schiessen

das Gefährliche und Banale – Alpträume

einfach unsere Welt – starke wilde Tiere

selten gibt es Ausnahmen – ein dunkles Schicksal

selten mehr Feste – bloss Beerdigungen

die braune Erde – vor Blut rot geworden

das Geweöhnliche - der Alltag – ausgelaugte Dunkelheit


 

 

Darfur Women

 

geschändet

verachtet

DENNOCH

wie geschnittenes Gras

das nachwöchst

über die Männer Köpfe hinaus

über Berge weg

in die Höh

um Zeugnis zu geben

FUER DIE MENSCHLICHKEIT

die Frauen

die Mütter

die Mädchen

die Gebärerinnen

die neue Welt