MANDALA überall finden sich diese Gucklöcher in andere Welten

MANDALA
überall finden sich diese Gucklöcher in andere Welten


Variationen

I.

Mandala - alles
enthält es in sich
ohne ein Sein einzufangen

Mandala - Auge
des Ewigen im Gewöhnlichen
ohne es und es zu begreifen

Mandala - Kreisel
um den Welten sich bewegen
selbst wenn alles stillsteht

Mandala - Sonne
mit Licht und Wärme
selbst in dunkler Nacht

 

II.

Mandala - und wenn
dieser Kreis zum Loch wird
sind es lauter Mausefallen

Mandala - und falls
der Nadelstich
fürs Netz -
das Herz dann trifft

Mandala - als ob
der Punkt
zum Nichts
lauter Stichs sind

Mandala - und wenn
der Schlund
zur Tiefe
dein Sein versch

 

III.


Mandala - ein eingezäunter Wahn nur
aussen nichts soll sein
und innen
durch die Grenzziehung plötzlich
alles?

Mandala - wie eine eingezäunte Nation
mit Feinden rund herum
und innen
einfach dich, die Nation für
alles

Mandala - wie ein Rütli
der Selbstüberschtzung
wenn innen
durch die Eingrenzung sicher werden
alle

Mandala - eine Fixation
der Menschen auf Tell und Guisan
von innen
durch
alles

 

 

Schilder

Das Schlimmste, das der Eindringling
der Ehrfurcht der Indianer antat
war die UmDeutung der Schilder
vom Frieden zum Krieg

Weisse redeten so lange
untermauerten mit Wissenschaft
ihr Geschwätz
um miszudeuten die Schilder

Für Indianer war der Schild
unser minimalisiertes Hausschild
eine Selbsteinschätzung
und Vision
wohin sie gehen wollten

Als die Weissen kamen
warfen Indianer Schilder entgegen,
damit die anderen doch lesen
und einsichtig würden

Die Eindringlinge verstanden nur Krieg
den sie wollten
um diese Schilder zu vertreiben
damit Werbetrommeln kommen

Jahrhunderte später und erneut
Amerika voller Schilder
mit Botschaften wie einst
nichts eigentlich hat sich geändert
ausser der Banalisierung
vom Friede zur Ware

 

 

Ländliches Mandala

Sein Nimbus war übergross
der Heiligenschein - wenn auch nur gemalt
einfach ein Leuchten
da war schlicht jeder voll daheim

Dieser Franziskus mit den Schweinen
hatte einen Heiligenschein gar gross
rund fast wie ein Sonnenhut
doch alle wollten hin sich freuen gehen

Sein Nimbus war längst nicht nur gemalt
da war etwas dahinter
Wellen strahlten aus
auf Schwein und Mensch

Und wenn einmal im Jahr
alle übers Land dahin zogen
zum Säuli Toni
freuten Mensch und Vieh sich inniglich

Mehr noch,
dass es keiner überseh
rund gebeugt sein Körper
ein wahres Demutsrad
mit der Kunde wohl
wer sich beugt und rundet
der wird scheinen.

 

Keltische Mandala


Steine sind vieles
bestimmt auch Mandala

wenn Steine zu Kapellchen werden
aufgeschichtet Stein zum Stock mit Bild

wenn Steine auf Höhen aufgeschüttet
Steinmännchen des Ewigen sind

wenn Steine an Strassen kilometerweise
dich begleitend hin zum Ziele bringen

wenn Steine Grenzen markieren
dir so und soviel Land nur lassen

wenn Steine dich beklagen
auf Gräbern dein Ende verstaubt

Und Steine überleben
als Hügel, Berge,
auf Strassen, Gräbern
was sagen sie denn uns?

 

 

Es war doch klar...

Was er im Schilde führte
konnte jeder lesen
es lag offen
für die, die lesen konnten

Doch
es waren nur zwei Stämme -
die der Eigenen

Was sie im Gürtel hatte
war weder keusch noch giftig
ein Streifband voller Zeichen
für die, die deuten konnten

Doch
für Fremde
Zeichen nur von Sex

 

 

Eingekreist


Die Welt...
Von Mandala eingekreist
an Strassen Schilder bis zum Kreisel
mit Signalen das Leben abgerundet
Symbole für die es Wörterbücher gibt
... ist ein Mandala

Das Leben...
Wenn vor lauter Zeichen
die Welt zum Wald wird
dann musst du in dich gehen
um nach dem Ursprungsloch zu sehen
schwimmenden Fischen im Meer
... ist ein Mandala

Der Mensch..
Fliegen schwirren durch den Kopf
alle Därme voll Amöben
kosmische kleine Kräfte
auf innerkörperlichen Bahnen
ein Gehirn muss spinnen zum Schutz
...ist ein Mandala

 

 

Zweifel


Wir blickten in den Osten stets
sahen Mandalas nur dort
unsere Markierungen machten traurig bloss
„Oh die mit den Mandala!“


Mandals aus dem Osten
wandernde Lichter
mit mysterienreichen Geschichten
„Oh, diese Mandala!“


Über den Himalaya hinweg
Teppiche voller Mandala
derweil bloss Dotterblumen bei uns
„Oh, die mit den Mandala!“


Wir schauten hin zum Fremden
mit einem Brett vor Augen
trautem deshalb nicht dem Eignen
„Wo sind unsere Mandala?“

Wir begannen uns zu schämen:
Wir hatten bloss das Kreuz
mit zwei Balken und nichts Rundem
„Wo sind unsere Mandala?“


Mag sein wir waren alle blind
doch nicht das Volk:
war das ein Grund,
warum es fürs Volk das Jesu-Herz sein musste
der Lanzenstich
runde Tropfen Blut
Tränen der Frauen
vielleicht hausbacken rund
dennoch sind es Mandala
„Unsere Mandala!“


 

Buchstaben statt Mandala ?


Blind wohl wurden unsere Priester
als sie lasen und schrieben
bis sie nichts mehr sahen

Einst
da begann jede Seite
mit einem Mandala bemalt
den Initialen

Selbst
dann als der Druck begann
wurde der erste Buchstabe
zum Mandala
einem Fenster

Jetzt
da es um den Wechsel zum PC geht
bleibt gross die erste Letter
ein Restbestand
vom Mandala.

Ja
da es ums innere Sehen
immer ging
kann nichts
die Mandala verscheuchen

Nur
Buchstaben allein
offenbaren wenig
sie werden eröffnet
von Fenster-Mandala

 

 

Schilder


Alle Indianer hatten ihre Schilder
Männer, Frauen, Kinder
die eine Vision enthielten
von den 12 weltweiten Stämmen
vereint zusammen

Vorzeigebilder, das waren Schilder
von dem was einer war und werden wollte
Die symbolischen Zeichen und Figuren
enthielten Schild um Schild etwas vom Frieden
unter 12 weltweiten Stämmen
vereint zusammen

Schilder legten offen Angst und Traum
verbargen nichts
wer sehen und lesen konnte
sah ins Tiefste
dieser 12 weltweiten Stämme

Gewaltlosigkeit beschworen sie
Chiffren zeigten sie
Sie dienten nicht dem Kampf
um Gnade felhten sie

 

 

  

Masken

Sie von draussen
sahen nicht hindurch
nur von vorne
Furcht

für die drinnen
war es die Tür
zur Tiefe der Ahnen
zurück

voll von Ehrfurcht
gebannt
blickten sie
in den Spiegel ihrer Genealogie
weit zurück

Ist doch nicht möglich,
hiess es von Christen.
Warum aber
konnten einige von ihnen
über Hostie und Monstranz
den Fron-Leichnam
zum Beginn der Eucharistie
zurück?

 

 

Von Baum-Kronen zu Bier-Gärten


Wir sassen im Sommer
unter einer Linde
deren Samen vor langer Zeit
von Pilgern aus Santiago mitgebracht
und alle fühlten es
eine andere Zeit unter dem Gewölbe
wenn es doch anders wäre

In afrikanischer Dürre widersteht der Baobab
trotz der Trockenheit
Raum und Zeit
wer hört und lauscht
ist nie einsam und allein
mit ihm und ihr die Dimension der Ahnen
keiner ist allein

Eichen alt und reif
voller Rundung im Geblätt
waren für Germanen
alles vom Geflüster bis zum Blitz
Nur Eichen konnten gleichzeitig
Krieger zähmen
und Mägde widerständig machen

Buddha von Dämonen wild verfolgt
nahm Rast im Schatten
eines alten Feigenbaums
und er erwachte in einer anderen Welt
Bodhi hiess fortan der Baum:
der Baum des Erwachens
Er liess das Ertragen keimen

Geblieben die Gartenlaube.
Im Biergarten wird gestritten
um die Endzeit
der letzten Runde

 



Die Rösti
alltägliches Mandala


Wer einst
die gelbe Rösti
in der Pfanne sah,
hatte das Gold
der Himmel
geschaut

Wer diese gelbe Rundung
mit den eckigen Speckmöckeli sah
war morgens versetzt
in einen Tag voll Glück

Da soll jemand sagen
die Mägde
sie hätten nichts
zu bedeuten gehabt

 

 

Die Oase


Wie ein Schild
schwamm die Oase
im Meer

ein Teller
mit etwas Grünem
garniert die Oase

Auge Gottes?
Blick ins Innere?

Oder einfach ein Büschel Gras
aus dem Maul der Kuh verloren,

ein vom Orkan weggerissenes
Auge der Prärie

oder eine Verbannung
der ersten Grünung der Wüste?

Ein Blickfang
eine Täuschung
sinnlos

oder einfach
ein Schild
deiner Deutung überlassen


&&&


Al Imfeld©, Zürich
August 1995