Will Afrika die Entwicklungshilfe nicht?

Was ist denn an der Hilfe so schädlich?

Dambisa Moyo ist bereits die dritte Frau, die auf die Weltbühne tritt und sagt: „Hilfe ist tötlich.“ Frau Moyos Buch „Dead Aid“ wurde weltweit beachtet, von Time Magazine und Financial Times bis New York Times und Neue Zürcher Zeitung. In der gesamten angelsächsischen Welt findet das Buch grosse Beachtung. Aber auch die Debatte rund um ihre Thesen ist entbrannt; Wissenschaftler wie Jeffrey Sachs und Bill Easterly griffen Frau Moyo an. Grund? Sie werfe alles durcheinander.


Dambisa Moyo stammt aus Zambia, erwarb akademische Abschlüsse an Harvard und in Oxford. Sie arbeitete kurz bei der Investmentbank Goldman Sachs und reist nun um die Welt, um ihre 200 Seiten schriftlich mündlich zu erklären. Man hat ihr sogar vorgeworfen, sie zerstöre mit ihren Thesen die letzte finanzielle Grundlage Afrikas südlich der Sahara. Sie greift ganz besonders die NGOs an. Sie meint, Staaten müsste mehr geholfen werden. Was aber wenn diese alle „korrupt“ regiert werden?


Vielleicht übersehen ihre Kritiker, dass es ihr erst an zweiter Stelle um Ökonomie geht. Wer das Buch liest, spürt ihren Zorn gegenüber einer weissen Entwicklungsklasse, die sich bei der Weltbank, bei CRS oder USAID und in ihren Fängen das gesamte Aid-Business bildet. „Andere entwickeln Afrika“ oder „diese Entwickler wissen genau, was zu tun ist“ oder „man lässt Afrika keinen Schnauf“. Und so geht es weiter. Ja, da schreibt eine nicht ernst genommene Afrikanerin, ein gedemütigter Mensch und eine tief beleidigte Frau. Sie trifft den Kern der ganzen Aid-Problematik, drückt diese aber ökonomisch aus, meint es aber kulturell und sozial.



Frau Moyo plädiert im Bereich der Hilfe für Direktinvestitionen, Mikrokredite und fairen Handel.


Eine andere Frau auf diesem Kontinent hat bereits Ähnliches gewagt; es handelte sich um Axel Kabou aus dem Senegal mit dem kontroversen Büchlein Weder arm noch ohnmächtig. Eine Streitschrift gegen schwarze Eliten und weisse Helfer (dt. Ausgabe 1993). Auch ihr konnte man entwicklungsanalytisch einiges vorwerfen, vor allem dass sie sozusagen stets in der Mitte der Argumentation stehen blieb. Der deutsche Untertitel machte ihre Absicht klar: Auch ihr ging es um die Arroganz der Helfer einerseits und die Manipulationen der Hilfsempfänger andererseits. Frau Kabou hatte es von da an mit dem Entwicklungsestablishment schwer.


Eine dritte Frau, eine Europäerin, gehört zum Trio. Es ist Frau Brigitte Erler mit Tödliche Hilfe (1985). Auch ihr warfen die Kritiker vor, dass sie auf halbem Weg stehen blieb, und dass sie nicht klar zwischen staatlicher und institutioneller (Weltbank, IWF) Hilfe (auf der bösen Seite) und den NGOs oder privaten Institutionen (die guten) unterschieden habe.


Wir haben also drei Kassandren. Bis anhin wurde der Hilferuf von keiner Institution ernst und fundamental genommen; man schwatze drum herum und half hilflos und anmassend weiter.

 

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Al Imfeld, Juni 2009