Fähri-Schiff über den Gambia-River

Al Imfeld

Requien für ein Fähri-Schiff über den Gambia-River

 

es fährt doch

fährt seit Jahren

warum soll man etwas

daran machen oder ändern

und so fährt es

überquert den Fluss

kreuzt durch Wellen

es fährt doch

seit 13 Jahren

immer

 

 

was soll man

Zeit am Schiff vergeuden

es fährt doch

warum es stören

fährt doch

keine Schmiere kein Öl

höchstens etwas Voodoo

und so fährt es

seit Zeiten

gehorsamst

 

nun bockt es

plötzlich

nach Jahren

bleibt stehen

fährt nicht mehr

beginnt zu kippen

muss verhext sein

ruft den N’anga

schnell

 

er kommt

spritzt etwas Gin

sagt ein Ahne habe gerufen

er brauche nun das Schiff

für seine Überfahrt

müsse dieses Schiff

für diese Welt

sterben

keinen Ersatz soll es geben

Amen

 

 

...und plötzlich steht die Fähre nach Gorée stehen

 

schon eine Ewigkeit fährt sie

die Fähre hinüber nach Gorée

von wo einst massenweise

Sklaven nach Übersee

eingepfercht verdreckt

verschifft wurden

 

nun kommen stündlich Touristen

ohne Ahnung

ganz banal mit Handy und Burger

ohne jeden Schauer

lachend spottend hämisch

auf die kleine Insel vor Senegals Küste

ohne Fragen

zum Picknick

 

eines Tags hat die Fähre genug

lang hat sie es verklemmt

ihre Wut

also blieb sie stehen

schon begannen alle zu fluchen

„Du Rosthaufen

auf den Schrott gehörst du“

 

wird vom nächsten Kahn

genauso alt

abgelöst

nach fast 20 Jahren Zwangsarbeit

einfach entsorgt

umsorgt hat man ihn nie

 

 

 

Zerschellt auf dem Kongo

 

berüchtigt

seit kolonialer Zeit

ist der wilde klippenreiche Kongo

 

Mobutu liess sich ein Luxusboot

als Entwicklungshilfe schenken

damit wurden besondere Gäste

auf dem Fluss ausgefahren

 

Grossmäulig verkündet der Captain

Nach der kolonialen Unabhängigkeit

gibt es keine Klippen mehr

all diese einstige Wildheit

nichts als koloniale Projektion

 

Die Passagiere

Zigarren rauchend

teuren Whisky trinkend

liebten das Schaukeln

ein paar Mädchen tänzelten

graziös umher

mit Kaviar

 

Ein Knall ein Schock

alles kippte um

zerschellt der Kahn

Präsidiale Helikopter flogen ein

es gab nur 5 Tote

die Zensur verbot eine Todesanzeige

 

 

 

am Tag danach

als ein Wolgadampfer

überladen und ungewartet

kippte und über 100 Tote

in den zornigen Fluten hinterliess

10. Juli 2011