Permanente Angst vor Spionen und Verschwörung

  1. Jeder, der dachte, wurde verdächtigt. Denken galt als Zweifel am absoluten Entweder-oder. Nachdenken war Verrat; Gefolgschaft war gefragt – und zwar absolute Unterwerfung.
     
  2. Das Sündenbockdenken wurde gepflegt und lebt bis heute fort. Man operiert nicht nach rationaler Kausalität. Schicksal und Magie sind die „historischen Kräfte“.
Schuld sind stets 1. böse Ahnen oder Geister anderer,  2. Hexerei oder eine magische Praxis (witchcraft), 3.  „Europeans“ (alle Weisse bis nach Sibirien oder in die USA sind Europäer), 4. Kolonialisten und 5. Nachbarn. In anderen Worten: die übrige Welt war voller Teufel. Alle „anderen“ waren Verschwörer. Selbstgerechtigkeit ist oberstes Prinzip.
     
  3. Eine Befreiungsbewegung war letztlich eine fundamentalistische Sekte. Alle anderen in der Welt waren ihre Feinde; so war jeder Europäer oder Weisse einfach ein Kolonialist und Ausbeuter. Da die ganze Welt zum Feind gehörte, herrschte im Camp ein unüberbietbares Misstrauen. Jeder im Innern der Armee konnte zum Verräter werden und jeder, der von aussen kam, vor allem dann, wenn er vorher bei einem Europäerhaushalt arbeitete, wurde zuerst prinzipiell verdächtigt, als Infiltrator und Spion betrachtet. Mit Prügeln musste dieser „weisse Geist“ ausgetrieben werden. Diese Prozedur war denn auch so etwas wie ein afrikanischer Initiationsvorgang.
     
  4. Aus best informierten Kreisen weiss ich schon länger, dass sowohl beim ANC als auch bei ZANU/ZAPU und SWAPO im Busch oder im Umfeld der Hauptquartiere fast wöchentlich – meist am Freitag - Einschüchterungsprozesse stattfanden. Einer wurde einfach beschuldigt, ein Spion zu sein. Wenn es einen Anhaltspunkt zur Klage gab, dann war es immer, weil der Betroffene irgendwann eine Frage gestellt hatte. Meist wurde der Angeklagte zur Einschüchterung der anderen für eine Woche in Gewahrsam genommen oder gleich erschossen.
     
  5. 

Verschwörungsdenken gehört zum Dualismus. Die Befreier werden niemals einen Fehler auf ihrer Seite sehen, sondern immer sind es Spione, Verschwörer, CIA, Geheimdienste, etc. Ihre einzige Geschichtsdeutung bewegt sich rund um Spionage und Verschwörungen gegen sie. So wird Mugabe behaupten, der Hunger in Zimbabwe sei eine britische und/oder US Verschwörung gegen ihn und das Land.


     
  6. Das Böse ist nicht ein politisches Phänomen und auch nicht Macht, sondern einfach das/der Andere, das Unheilige und Unreine, das mythisch Böse, die Gegenwelt und die falsche Seite. Alles lässt sich unter Neo-Kolonialismus zusammenbringen. Eine klare politische Analyse fand sich – auch im Nachhinein – bei keiner Befreiungsbewegung Afrikas.
     
  7. Faktisches oder sachliches Wissen ist gefährlich;  ein Spion weiss das, weil er ausfragt und hinterfragt und böse Geister austricksen kann. Gefragt war jedoch geheimes Wissen. Vielleicht erklärt sich daraus der bis heute anhaltende starke Hang zur Geheimhaltung.




 

Schluss


Falls alles geheim ist, dann ist es nicht rational, kann daher weder abgeleitet noch erarbeitet werden. Die Geheimhaltung existiert auf dem Kontinent bis heute überall. Geheimes muss man wie einst den Gral beschützen, kontrollieren und schon beinahe einem Gottesurteil überlassen. Ohne ein Klima des Vertrauens und einer gewissen Grosszügigkeit kommt niemals eine Demokratie zustande.