Woraus bestand das „revolutionäre Bewusstsein“?

  1. 
Das Guerillatraining bestand aus Drill, Einschüchterung und Gehirnwäsche. Die Mitkämpfer sollten nicht zur Ruhe und ja nicht zum Nachdenken kommen. Man pflegte unaufhörlich die Aufrechterhaltung des Feindbildes, und man warnte permanent vor Verschwörern und Spitzeln.


     
  2. Von Bewusstseinsbildung hat man bei allen afrikanischen Befreiungsbewegungen ausser Teilen der FRELIMO und des ANC kaum etwas gefunden. Diese war eher eine Projektion der europäischen Studenten und kirchlich Engagierten.  Man sprach zwar bombastisch und repetitiv vom „revolutionären Bewusstsein“, verstand dieses jedoch wie einen Automatismus. Wer sich der Bewegung anschloss, der wurde einfach durch die Aufnahme revolutionär, denn dieser Vorgang galt als Taufe wie durch Ein- und Untertauchen; der Akt des Eintritts bewirkte und erzeugte also sein revolutionäres Bewusstsein. Er kam und gehörte sofort von selbst dazu.


     
  3. Es gab jedoch viele Zwangsrekrutierungen. Menschen wurden erpresst: Entweder zahlen oder ihr schickt uns einen Mann als Kämpfer. Die Freiwilligkeit war ein heisses Eisen.
     
  4. Diese Zwangseingezogenen bildeten denn auch eine erhebliche Gefahr, weil ihnen die Motivation teilweise fehlte. Von hier gingen die vielen Verdächtigungen im Lager aus.
     
  5. Ein ganz kleiner Teil besass eine längere Schulbildung oder gar einen Abschluss (s.o.). Eine Ausnahme bildeten die 2 Flügel des ANC, die Kommunisten und die Gewerkschaften. Die allermeisten kamen notgedrungen, d.h. sie mussten fliehen. Es hatte mehrere Verbrecher in jeder Befreiungsarmee, dazu kam ein hoher Prozentsatz von Analphabeten. Die Befreiungsarmeen glichen stark der französischen Fremdenlegion. Alle wurden gerne aufgenommen, daraufhin ging es durch die heisse Schmiede. Die Führer glaubten an die Ansteckung oder automatische Übertragung durch das revolutionäre Bewusstsein der anderen. Die Ex-Kämpfer kamen sich denn auch wie Graduierte vor. Ihre Abschlussarbeit wurde mit dem Schiessgewehr geschrieben.
     
  6. Statt eines revolutionären Bewusstseins war es eher eine religiöse Hypostase, also mehr Mystik und Esoterik. Einiges kam nahe an hysterischen Fundamentalismus heran. Diese Bewegungen – im Nachhinein betrachtet – glichen stark den heutigen Pfingstkirchen.


     
  7. Oberster Kriegsherr der meisten Befreiungsbewegungen war letztlich Ghaddafi, denn er lieferte den afrikanischen Befreiungsbewegungen die meisten Waffen. Er wollte als der grosse Befreier Afrikas in die Geschichte eingehen. Er hat sich jedoch verkalkuliert, denn er meinte, so ein vereintes Afrika unter seiner Führung aufzubauen. Nach Ghaddafi kam Mao. Auf dem 3. Rang der Lieferanten stand die italiensche Kommunistische Partei (im Verbund mit Olivetti).