Verhältnis der Befreiungsführer zueinander

  1. 
Schon von der Sache her war es logisch, dass es mehrere Ansichten über einen Vorgang der Befreiung gibt. Die Befreiung oder Entkolonisierung war in den Kalten Krieg eingebettet; um diesen Kontext kam keine Seite herum. So waren die einen Führer mehr Moskau oder Peking oder gar der DDR zugewandt. Ferner spielten Schwerpunkte wie entweder auf Praxis oder auf Theorie ausgerichtet eine gewisse Rolle, d.h. die meisten wollten gar keine theoretische Untermauererung, sondern bloss den Widerstand.



  2. Während des Kampfes (Zweckbündnis) hielt man wohl zusammen, doch nachher trat ziemlich rasch die Rivalität unter den Anführern an den Tag. Dieses Kapitel ist noch viel zu wenig untersucht. Ich weise auf ein paar Verschiedenheiten mit tödlichem und auch anderem Ausgang hin:

    -    Kenyatta liess einige seiner Generäle und Getreuen etwa Mboya und Kariuki töten; sie waren des Verrats angeklagt worden – genauso wie zu Stalins und Maos Zeiten.

    Völlig intrigenhaft ging es in Angola zwischen MPLA und UNITA, sog. Kommunismus vs. Kapitalismus:
    
-    Besonders grausam und blutig endete das Verhältnis zwischen Nkomo und Mugabe: Mugabe unternahm alles, um Joshua Nkomo und seine ZAPU an einer Beteiligung der Macht fernzuhalten, führte die ZANU mit Mugabe im Hintergrund einen Ausrottungskrieg;
    
-    Stete Feindschaft herrschte in Südafrikas ANC zwischen Thabo Mbeki und Jacob Zuma, der nach langen internen Intrigen bis offenen Kämpfen 2008 Mbeki von der Spitze verdrängte; wäre nicht Nelson Mandela im Hintergrund gestanden, wäre längst der Kampf zwischen den beiden offen ausgebrochen;
    
-    eine lang andauernde (aber kaum beachtete) Feindschaft zwischen den 2 Unabhängigkeitsführern spielte sich im Kleinstaat Guinea-Bissau ab. Gen. Batista Tagme Na Wie (Oberbefehlshaber) und Joao Bernado „Nino“ Vieira (Staatspräsident) hatten miteinander gegen die Portugiesen gekämpft; nach der Unabhängigkeit 1974 hassten sie sich gegenseitig bis in den Tod von beiden am 1. und 2. März 2009.
    
-    Auch die mocambiquanischen Querelen rund um den 13jährigen Krieg können auf diesem Hintergrund analysiert werden.
     
  3. Beide Seiten bezichtigen sich gegenseitig des Hochverrats. Dasselbe Wort wird jeweils auch einem Oppositionsführer gegenüber benutzt. Nie wurde Philosophie oder Ideologie diskutiert. Kaum waren sie sich des manipulativen Charakters des Kalten Kriegs bewusst. Man realisierte nicht, wie sie Opfer zweier Fronten waren. Auf eine echte Kolonialismusdebatte haben sie sich nie eingelassen.



Fragen mit Feststellungen verknüpft

Warum bekämpften sich afrikanische  Befreiungsführer, ob in Angola oder in Zimbabwe, gegenseitig?  Ging es letztlich gar nie um ein Land sondern um sie. Hatten sie überhaupt einen Land- oder Staatsbegriff?



Zwischen-Frage:
Sind afrikanische Politiker weniger oder kaum zu Bündnissen bereit? Sind sie zu misstrauisch und warum?



Es wurde kaum untereinander diskutiert. Schon damals diskutierten sie nicht miteinander; trafen sie sich in Übersee, bettelten sie um Gunst und Waffen.
Jeder Diskussion wichen sie aus. Sie wollten Schulterklopfen und Bestätigung, dass sie recht hatten.