Langfristige Planung afrikanischer Städte südlich der Sahara

Eine  vorläufige Gedankenansammlung zu einer Grundlage langfristiger Planung afrikanischer Städte südlich der Sahara

 

  1. Kurzer Rückblick – wichtig Feststellungen für eine analytische Vertiefung

 

  • Im grossen und ganzen gilt, dass das moderne Afrika eine Stadt im westlichen und asiatischen Sinn noch nicht kennt; eine "afrikanische" Stadt existiert also noch nicht.

 

  • Die Kolonialisten, resp. ihre Verwaltungen, planten nur für ihren Nutzen und dieser Zweck war nach aussen, zurück auf ihr Ursprungsland (Grossbritannien, Frankreich oder Portugal), hin auf ihr Zentrum (London, Paris, Lissabon) orientiert. Die notwendige Infrastruktur für die Angestellten in all den Dienstleistungsaufgaben (vom Hausboy bis zum Nachtwächter, vom Schreibkopierer bis zum Chauffeur) wurde nur als Last, also nur negativ, einbezogen; man distanzierte das einheimische Personal bewusst und tendenziös weit weg an den Rand oder die Briten und Buren drängten sie in extra hierfür billig errichtete Townships. Es könnte sein, dass wie bei Soweto (Südafrika), daraus im Laufe der Zeit eine Stadt heranwuchs, dennoch bleibt das Stigma der Rasse dominant.

 

  • Was wir daher heute kontinental südlich der Sahara wahrnehmen, sind zufällige und chaotische Anhäufungen – ohne Markantes und Zentren, ohne Durchmischung, ohne Multikulturalität, ohne Verweise und Beziehungen. Das ist historisch bedingt und keinesfalls Schuld der lokalen Bevölkerung. Das ist der Grund, warum ich immer wieder darauf zurückkomme, dass hier die Entkolonisierung noch nicht stattfand.

 

  • Erst in jüngster Zeit, seit dem Ende des Kolonialismus, strömte massenweise der Landbevölkerung vom langsam sterbenden Land wie in Panik entweder zur nächstliegenden Stadt oder – am liebsten – zur Hauptstadt, die mental den alten Häuptling ersetzte. Sie lassen sich um diese selbst auch im Verkommen sich befindenden Gebilden im Kreis herum nieder, einer Eroberung gleich, erwürgen sie die existierende, meist in der Kolonialzeit, also kolonial entstandene Stadt, und bringen das Existierende zum Ersticken. Ein kongolesischer Schriftsteller, Sony Labou Tansi, nennt diesen Vorgang eine "Entkolonisierung auf anderer Ebene".

 

  • Die sogenannten afrikanischen Städte sind heute schätzungsweise zu über 80% informelle Gebilde; die meisten Menschen sind weder „eingebürgert“, noch besitzen sie Kataster oder Rechte. Die Leute sind einfach da und helfen sich selbst. Da existiert keine Planung. Alles geschieht "schwarz", im Dunkeln, nicht fassbar, und dennoch gibt es alles in diesen Konglomeraten.

 

  • Sogar UN-Habitat (spezialisiert auf weltweite Stadtentwicklung) bezeichnet 2010 Afrika als Kontinent der Slums. 2015 schätzt dieselbe UN Organisation, dass etwa 80-90 % in den afrikanischen Slums informell abläuft, und dass in den letzten 50 Jahren Informalität sogar zugenommen hat.

 

  • Einige haben sogar den alten Chief oder Dorfhäuptling mitgebracht. Von denen können viele noch immer weder lesen noch schreiben. Diese Neu-Ansiedler folgen keiner Stadtordnung. Sie leben unerfasst ohne Papiere ; sie existieren informell. Sie leben nicht städtisch, weder im Bewusstsein noch im Verhalten, sondern als ländlich Verelendete. Das hat wenig mit einer "städtischen Verelendung" - höchstens mit Armut oder wohl treffender ausgedrückt als Sinnverlust - zu tun.

 

  • Viele der hier Lebenden kommen sich entweder im Exil oder von nicht definierbaren multinationalen Firmen vom Land Vertriebene Sie leben mental in einer Zwischenwelt. Das macht es desto schwerer, sich hier formell anzusiedeln, denn selbst wenn sie innerlich träumend und vage zurück wollten, sie werden es niemals mehr können. Da sie die Stadt nur als Anhäufung oder kolonial kennen, können sie diese entweder nur negativ und abweisend (als Symbol gegen den Kolonialismus) wahrnehmen. Aber als ihre Chance - daran denken sie kaum. Sie leben dahin und nicht vorwärts.

 

  • Zahlen sagen wenig aus, denn 1. kann man diese informell Lebenden und Agierenden nicht zählen; 2. schätzt die Regierung je nach Belieben, da für sie das alles bloss Manövrier- oder Manipulationsmasse ist. Man sei bloss an Nigeria mit Lagos, erinnert. Oder Kenia mit Nairobi und den im Umkreis Unerfassten 4-6 Millionen Menschen. – Natürlich benötigen die UN und ihre Unterorganisationen, besonders auch Weltbank und teilweise der IWF Zahlen. Doch sie alle gehen von Hochrechnungen und Schätzungen aus. Sehr oft jedoch geben sie diese Zahlen aus Rücksicht auf die jeweilige Regierung nicht heraus.

 

  • Das hier skizzierte und angesprochene Stadtphänomen kann etwas verächtlich als Slum oder Township bezeichnet werden. Von Nairobi bis Kinshasa, von Kapstadt bis Kairo kann rein quantitativ gesagt werden, dass die Mehrheit von Afrikas Bevölkerung nicht in der Stadt, sondern im Slum oder in der Misere, in der Informalität bis zum zahlenmässigen Nebulösen lebt. In Slums kann keine Volkszählung durchgeführt werden. Somit gibt es weder Wahlrecht noch Papiere für eine Weiterwanderung.

 

  • Es gibt aber auch Flüchtlingsanhäufungen und neue Städte aufgrund von Katastrophen, etwa Mwanza oder Goma, Dadaah im nördlichen Kenia, mehrere Orte in Angola oder im Tschad. Diese Anhäufungen sind ein Skandal. Menschlichkeit kann solche Elendslager einfach nicht dulden; diese Menschen müssen dringendst in dorfähnliche Gebilde verteilt werden. Alle Massenlager sind skandalös und verletzen jegliche Menschenrechte und -würde.

 

  • Es sollte – meiner Ansicht nach – keine Ghettos Die heutige Zeit verlangt für Afrika ein Auflösen jeglicher Apartheid. Eine Politik von Homelands ist vorbei. Ob es einen andern Begriff als multikulti gibt, ist mir egal, doch gerade für Afrika müssen wir wissen: Alles ist längst hybrid oder durchmischt. Folge: Wir können keine Chinatowns (jeglicher Art für alle Völker und Nationalitäten, ob Juden, Roma, San, Indians oder Africaans, dasselbe gilt auch für Religionen) planerisch oder architektonisch zulassen, wohl jedoch Restaurants und Cinemas, afrikanische Musikhallen oder Theater spezieller ethnischer Gruppen - jedoch über die ganze City verstreut. Wirkliche Demokratie ersteht nur aus der Durchmischung, ansonsten ist das Resultat stets Diskriminierung oder Separatismus. Die moderne Stadt auf allen Kontinenten hat darauf zu achten.

 

  • Viele dieser Menschen haben auch nie ein Dorf erlebt, denn wir haben es im ganzen Sahelgürtel, aber auch in Ostafrika, besonders Tansania, mit Streusiedlungen zu tun. So kam der frühere tansanische Präsident Julius Nyerere zu seiner – sozialistisch genannten – Ujamaa –Idee. Kann etwa ein ähnliches Experiment mit der afrikanischen Stadt vorgenommen werden?

 

  • Müsste die Stadtplanung auf dem afrikanischen Kontinent anders angegangen werden? Man baut ein Zentrum und fördert ringsum 20 bis 30 Satelliten-Siedlungen oder Flecken. Man vergesse nicht, dass der Sahel von 100'000 Weilern durchzogen ist. Ich nenne Beispiele: Sabah in Libyen; Dori in Burkina Faso oder Dosso in Niger mit 23 ländlichen Vororten. Vorbild könnten selbst die Wüstenstädte wie Tamanrasset (Algerien) oder sogar Timbuktu (Mali) sein. Die 2 Sahelgrossstädte Bamako und Niamey bestehen ausser einem Verwaltungszentrum aus bis zu 50 Dörfern.

 

  • Deshalb ist es wohl für eine Stadtentwicklung schädlich, wenn man den sog. Vorort-Gürtel zu einem eigenen Distrikt oder Verwaltungsbezirk erklärt. Man reisst somit die Stadt entzwei, heisst es. Doch ist sie das nicht schon je?

 

  • Die Folge daraus wäre, dass wir für Afrika (vielleicht auch für andere Gegenden) den Begriff der Stadt neu definieren und so wie das einst von Briten erbaute Salisbury (heute Harare) mit sternförmigen Satelliten, die zu einem Stadtzentrum gehörten, planten. Geradezu wegweisend könnte die auf Windhoek ausgerichtete einstige Township Katutura in Namibia werden.

 

  • Warum wohl will in Afrika ein Grossteil der Landbevölkerung in die Hauptstadt? In Ghana leben 16% der Landesbevölkerung in Accra Metropolitan Area. In Mali leben ein Drittel der Bevölkerung in Bamako. Im Tschad waren es bereits 2005 17%.  In Nigeria sollen allein in den 3 Städten Lagos, Ibadan und Kano 12% der Bevölkerung leben. Man kann diesen Trend mit Sub-Chiefs von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten. Natürlich gibt es in der Hauptstadt Jobs, weil die gesamte Verwaltung in der Hauptstadt angesiedelt ist. Man kann es jedoch auch anders deuten. Im Unterbewusstsein schlummert ein Hingezogensein in den Schatten des Chief; man nimmt also das vorhandene Zentrum als einen Chief - Ersatz an. Man begibt sich in die Nähe seines Chief, damit er bei Job-Vergaben dich ja nicht übersieht. Negativ bedeutet das Hilflosigkeit und Abhängigkeit im Kopf, mag aber auch positiv gedeutet werden als Sehnsucht zurück zur Zusammengehörigkeit oder Schutz im Wir.

 

  • Heisst etwa eine Folgerung aus der Analyse, dass die Stadt nur mit dem Symbol oder irgendeiner erneuerten Form des Chief erneuert werden kann? Das würde eine radikale Erneuerung des alten Chief Gedankens sein. Auch dieser Gedanke könnte auf (sternförmige) Satellitenstädte von einem grossen Zentrum aus verweisen.

 

 

 

  1. Was und wo zusätzlich erneuert werden muss,

um zu nachhaltigeren  Grundlagen einer afrikanischen Stadt zu kommen?

 

Die folgenden Stichworte formuliere ich nicht weiter aus. Es handelt sich um rechtliche und administrative, um technische und physische Gegebenheiten, die für einen Städtebau – weltweit - notwendig sind. Ich werde später auf diese Aspekte zurückkommen. Ich behaupte auch nicht, dass ich alle Elemente und Aspekte erfasst habe.

 

  • Es braucht dringend ein Landrecht. Kaum ein afrikanischer Staat hat die Landfrage auch nur in Grundzügen rechtlich festgelegt. Vielerorts zieht man je nach Vorteil traditionelles oder britisches Recht hinzu. Dazu kommt vermehrt islamische Rechtsauffassung hinzu.
  • Man benötigt einen Zonenplan, sonst entsteht ein Wildwuchs. Es braucht daher eine bestimmte Voraussicht (man kann es auch Vision nennen) einer kommenden Stadt.
  • Über die Wasserversorgung muss man gleich zu Beginn seriös nachdenken und für etwa 100 Jahre voraus planen. Man kann auch daran denken, in gewisser Entfernung von der Stadt einen See mit einem Becken zum Auffang des Regens zu errichten.
  • Es darf in Zukunft keine Städte ohne Elektrizität Vielleicht geht man am einfachsten von der Biomasse der Fäkalien aus. Rund um die Stadt könnten Architekten Windmühlen vorschlagen und einen Teil der Fassaden mit Solarzellen versehen.
  • Es braucht gleich zu Beginn einen Strassen- und Verkehrsplan. Wie weit lässt man das Auto zu und in die Stadt hinein? Setzt man auf Fahrrad oder Roller? Wie und wo soll sich öffentlicher Verkehr Auf Schienen für Trams oder Busspuren? Ist eine U-Bahn möglich? Oder gar Hochbahn? usw.
  • Strassen müssen geteert (vielleicht gibt es bald andere Möglichkeiten für innerorts) werden – schon wegen des Staubs.
  • Wichtig ist ein eigenes Amt für den Unterhalt öffentlicher Einrichtungen. Afrikas Menschen fehlt auf vielen Sektoren eine Tradition des Unterhalts und einer systematischen Instandhaltung (man lässt meist alles fahren, bis es zerfällt oder irreparabel wird). Ein solches Amt müsste begreiflicherweise auch mit einem entsprechenden Budget ausgestattet sein, denn Vorschriften allein machen es niemals.
  • Enorm wichtig, ob für ein Dorf oder eine Stadt, ist ein Konzept der Alle öffentlichen Konstruktionen haben per se sich um ihren Müll zu kümmern. Nicht genutzter Schmutz und Dreck sind Zeichen der Verelendung. Entwicklung beginnt mit Reinigen.
  • Alle haben zum voraus sich über Abgase und/oder CO2 Rechenschaft geben.
  • Das A & O ist, dass man nirgends aus dem Nichts beginnt; stets gibt es Vorgaben und Kontexte, aber auch Rücksichtsnahmen, um die kein Architekt, resp. Stadtplaner, herumkommt. Es betrifft Klima und Boden, Bäume & Pflanzen, usw.

 

  • Motto: LESS AESTHETICS, MORE ETHICS

 

 

 

  1. Konkrete Beispiele und kritische Hinweise

 

  • Afrika ist ein Kontinent, wo es noch genug Flächen zum Bauen im freien Gelände gibt. Bloss müsste der Staat den Kleinbauern und Bäuerinnen auch etwas vom Landpreis abgeben. Dazu braucht es dringend ein Landgesetz.
  • Schon die bislang errichteten neuen Hauptstädte sind ein Beweis hierfür. Ich behaupte: Neue Städte in Afrika sind möglich.
  • Diese müssen nicht vorweg Slums sein. Zur Abschreckung denke ich an Chitungwiza als eine inzwischen Millionenvorstadt vor Harare. Nicht einmal die Zufahrtsstrasse wurde geplant, weder geteert und voller Löcher. Täglich müssen gegen 50'000 Menschen nach Harare hinein zur Arbeit, doch die Busverbindungen sind lausig, sodass man im Durchschnitt mindestens je 3 Stunden bei der Hin- und Rückfahrt benötigt. Weder der Staat noch die Hauptstadt unternimmt etwas. Für Verkehr im Dienste der Öffentlichkeit hat noch kaum ein Land Afrikas (ausser z.T. Senegal, wo das alles in Händen der islamisch-sufitischen Mouriden-Bruderschaft liegt) etwas unternommen. Ähnlich schlimm ist es für all die südafrikanischen Townships, die während der Apartheid errichtet wurden, um die Schwarzen möglichst fern von den Weissen zu halten.
  • Ich kenne wenigstens ein Beispiel, wie solche Planung angegangen werden könnte. Es handelt sich um Katutura im hügeligen Talbecken und Gelände von Namibias Hauptstadt Windhoek (s. eigenes Kapitel). Katutura ist ein Produkt der Apartheid, wofür alle Schwarzen aus Windhoek ausgesiedelt wurden. Nun leben etwa 70'000 Menschen dort; ein Zurück gibt es für sie nicht; das weiss auch die Regierung, und so hat diese beschlossen, ein Experiment zu veranlassen. Katutura wird als eigene Stadt akzeptiert und bereits jetzt zum voraus auf 1 Million Einwohner geplant.
  • Ich kenne aber auch zwei Negativ-Beispiel:    Den Campus der neuen Food-Technology Universität in Ngaoundere, Kamerun, und die Geisterstadt Mtwara, am Indischen Ozean in Mosambik. Beide wurden auf dem Reissbrett, in der Ferne, auf Abstand entworfen, geplant und gebaut. Mtwara war für 100'000 Menschen geplant, ging schon beim Bau bald bankrott und das bereits Gebaute zerfällt lieblos. Bei Ngaoundere wurde sogar via Satellit von Australien aus eine Universität mit Umgebung gebaut. Man vergass jedoch Sickergruben und eine Abfallentsorgung; man liess vor dem Bau alle Bäume im Umfeld fällen. – Von den gebauten neuen Hauptstädten kann höchstens Lilongwe einigermassen in der Umgebung bestehen, obwohl auch sie ohne viel Gedanken und Strukturen in der Gegend gebaut wurde.
  • Für mich fand ein unglaubwürdiger Versuch in Rosso, Mauretanien, statt. Dort haben in der A.D.A.U.A zusammengeschlossene Architekten ein eigenes Quartier für Europäer gebaut.
  • Die Architektur - und Städtebau -Ausbildung ist noch sehr schwach südlich der Sahara. Es gibt im frankophonen Raum einen Ansatz in Lomé; die Franzosen operierten stets mit eigenen Architekten und Baufirmen.
  • Es gibt jedoch weltweit einige afrikanische Architekten, doch diese leben auf allen Kontinenten und nur ganz wenige südlich der Sahara.

 

 

 

  1. In die Zukunft blickend – was beachtet werden soll

 

  • Der Architekt sollte auf dem afrikanischen Kontinent keine Einzelbauten ohne Kontext oder die Frage, wie es von diesem Bau weiter gehen wird, errichten.

 

  • Da wir heute die technischen Mittel haben, sollte man vor jeder Projektarbeit mit Google zusammenarbeiten und Aufnahmen aus der Luft machen lassen. So bekommt man eine Ahnung von der näheren und weiteren Umwelt/Natur.

 

  • Naturgegebenheiten müssen vermehrt einbezogen werden. Natur gehört heute zur Infrastruktur. Man wird also anders planen und bauen im Sahel als im Hochland von Kenia. Zur Natur gehören auch Winde. Auch Insekten, etwa Ameisen, Moskitos oder Mücken müssen beachtet werden.

 

  • Daraus ergibt sich, dass Architekten Klimatologen, Biologen, Ökologen u.a. bei der Planung mit einbeziehen

 

  • Es darf nicht mehr vorkommen, dass, wie etwa beim bereits erwähnten Bau der neuen Nahrungsmittel-Technologie-Universität in Ngaoundere, zuerst, vor jeglicher Planung, alle Bäume gefällt werden. Genauso wichtig – und besonders für Afrika – sind Sträucher und Hecken. Anstatt Beton-Mauern der Sicherheit dienlicher ist ab und zu eine Dornen-Hecke.

 

  • Auf dem Gebiet, auf dem eine Stadt erbaut werden soll, müssen die Ex-Bauern mit Erinnerungen & Zeichen vergegenwärtigt

 

  • Schon aus diesem Grund wird es wichtig sein, wie eine Stadt benannt Bobo-Dioulasso in Burkina Faso ist ein Vorbild, denn der Name nennt die 2 früher auf dieser Fläche ansässigen Völker. Man sei daran erinnert: Eine Stadt trennt nicht, sondern vereint. So sollte im Namen niemals nur an ein Volk erinnert werden.

 

  • Das Architektenteam und seine Berater sollten darauf achten, dass jeder Boden Geschichte birgt, das sind die so beschworenen Wie kann man der kommenden Bevölkerung ein Gefühl vermitteln, welches damit verbunden ist, dass sie alle auf dem Boden der Geschichte leben.

 

  • Mit der neuen afrikanischen Stadt entsteht eine neue Ahnen-Galerie. Das ist zudem ein Beitrag gegen den Tribalismus. Wir alle kehren nicht nur zu Asche zurück; aus der Asche und auf der Asche der Kultur entsteht eine lebendige Stadt.

 

  • Viele haben keine Ahnung mehr von einer Kartographie der Erinnerung. So bestehen etwa selbst Slums aus sterilisierten oder aufs Eis gelegten Träumen, Erinnerung und stillgelegte Kreativität.

 

  • Geschichte ist niemals nur positiv; wir alle leben mit sehr viel negativer Geschichte; diese sollte keineswegs beim Neubau einer Stadt verschüttet werden. Man muss auch bei kommenden Denkmälern an solches denken. Der Neubau ist gleichzeitig ein Aufarbeiten der dunklen Vorkommnisse. Selbst eine neue Stadt hat darauf aufzubauen. Die Stadt ist kein Mittel der Flucht oder des Verdrängens.

 

  • Zeichen & Symbole jeder Art sind enorm wichtig. Es darf selbst etwas mehr Luxus sein. Öffentlicher Raum soll und darf attraktiv sein. Attraktivität entspringt nicht der Logik allein. Warum fasziniert gewisse Abfallkunst so sehr. Ich denke u.a. an Tinguley, aber auch an einige moderne Westafrikaner.

 

  • Eine gewisse Ideologie des Bauhauses wäre nicht nur Gift für Afrika, sondern auch Menschen verachtend. Eine Stadt ist niemals nur rational; etwas Versponnenheit gehört sowohl zum Menschen als auch zur Stadt.

 

  • Architekten sollten etwas von einer spectacular city im Kopf haben. Sollten etwas von einer Magie eines Ortes ahnen und gestalten können. Eine Stadt aufbauen hat sehr viel mit Poesie zu tun. Eine Stadt könnte mehr inszeniert als einfach als Einzelobjekt betrachtet werden.

 

  • Je mehr Charme eine Stadt hat, desto weniger Gewalt gibt es.

 

  • Daher sind Minarette, Kirchtürme oder selbst Stupas so wichtig. Dazu gehören natürlich Kirchen, Moscheen und Gebetshäuser. Diese sollten bei allen Religionen bescheidener werden; weniger auf das Innere, aber mehr auf das Raumfüllende achten.

 

  • Genau so wichtig sind Marktplätze, Parks & Gärten.
  • Farben haben einen wichtigen Einfluss auf menschliches Verhalten. Die graue Stadt der Vergangenheit darf es nicht mehr geben!

 

  • Eine lebendige Stadt soll vielfältig sein, eine gute Mischung aufweisen; so hat selbst neben einem Hochhaus ein Kleinhaus Platz. Wichtig sind Bistros, Beizen, Spiessli- und Brochette-Stände, selbst Southern (Afrcan) Fried Chicken. Momentan braucht es das Internet Café.

 

Das oberste Prinzip lautet: WÜRDE GEHT ÜBER IDENTITÄT HINAUS.

 

 

 

  1. Stadtrand mit integrierter Landwirtschaft,

 

  • Urban farming, plus Energieanlagen und – was besonders wichtig für Afrika ist – auch industrielle Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und von Nahrungsmitteln sollten am Stadtrand angesiedelt werden. Das würde einen sanften Übergang zum Land setzen; würde die traditionelle, beinahe radikale Trennung von Stadt und Land etwas mässigen.

 

  • Wir stossen hier auf einen wohl tief sitzenden Komplex oder Konflikt zwischen Stadt und Land. Der Städter stösst das Bauerntum instinktiv ab, denn er wähnt, eine Stufe höher gestiegen zu sein. Er will sich die Hände nicht mehr beschmutzen.

 

 

  • Die neue Stadt muss und soll Landwirtschaft, Agrikulturen, Gartenkultur, Baum- & Strauch-Kulturen, aber auch die technische Infrastruktur (welche Energie; Umgang mit und Behandlung; Verkehr und Kommunikation), die mit dazugehört. aufnehmen, variieren und integrieren.

 

  • Es soll der Akzent auf ökologisch und nicht so sehr auf biologisch gesetzt werden. Ökologisch bedeutet für mich, dass Mensch und Raum, Natur und sogar Leere kreativ einbezogen werden.

 

  • Das darf schon bei den Hausfronten Ich erinnere an die prächtigen Bauernhäuser von einst mit Blumen und Gewürzen auf den Fenstersimsen. Oder ein anderer Hinweis: Hongkong gewinnt gut ein Drittel der Gemüseversorgung dieser Metropole aus Fenstersims- und Balkonzucht. Wie etwas in dieser Richtung für Afrika möglich sein könnte, müsste studiert und experimentiert werden.

 

  • Gärten und Gemüseplätze sollten auch in Afrika unbedingt in eine neue Stadt integriert werden. Bananen und Kürbisse gehören zu den Bauten, wo immer es möglich ist. Vielleicht auch angepasste Arten von Beerensträuchern an Hauswände. Und warum nicht ab und zu eine Akazie.

 

  • Ich kann mir vierstöckige Häuschen mit ringsum auf der Bodenfläche 4 Gärten

 

  • Ob bei Hochhäusern ein Zwischenstockwerk für Gemüse- , Blumen- und Gewürzanbau frei gelassen werden könnte?

 

  • Über Vor- oder Nachteile des Flachdachs muss mit allen Varianten nachgedacht werden. Es soll kein ideologischer Streit entbrennen, wie lange Zeit in Europa. Ich habe in Indien packend gestaltete Flachdächer gesehen und ganze Permakulturen und sogar Experimentierfelder für Saatzucht darauf entdeckt.

 

  • Um der Schatten willen müssten viel mehr verschiedene Bäume in die Stadt hinein. Mit den Früchten dieser Bäume, etwa den Mangos, liesse sich leicht ein Softdrink-Geschäft entwickeln. Man kann Häuser auch um einen Baum herum bauen und oben erst noch eine Dachterrasse beschatten lassen.

 

  • Wir wissen noch viel zu wenig über das Entstehen eines Mikroklimas. Aus afrikanischer Agrargeschichte entnehmen wir jedoch, dass Bauern sowohl in der Sahelzone als auch am Zambesi nicht nur Wasserstrecksysteme (Décrue), sondern auch klimatische Einwirkungen mit dem methodischen Pflanzen von Bäumen, Hecken und sogar der Ausrichtung gewisser Steine a. erreichten.

 

  • Es gibt auch eine Einwirkung und Zügelung der Winde; man soll Strassen und Gassen quer zur Windrichtung anlegen.

 

  • Es gibt die uralte Tradition – in Afrika genauso wie bei den Kelten – von Stein- und Baumkombinationen. Die heutige Wissenschaft nennt die Kombination Parklandbäume.

 

  • Je nach Gegend sind folgende Bäume zu beachten: Baobab, Akazie, Moringa, Elemi, Marula, Niem. Sie haben sakrale Bedeutung, sind stark symbolisch. Wie weit sie baulich Verwendung finden könnten, müsste endlich studiert werden. Stets ist auf das Blattwerk zu achten, denn dieses kann sowohl als Tierfutter als auch als Biomasse energetisch genutzt werden.

 

  • Ganz vernachlässigt bis heute ist in der Architektur der Rand der Stadt. Gerade in Afrika, scheint mir wichtig, müssten Stadt und Land/Ländliches ineinander übergehen. Wie? Das wird die gigantische Herausforderung der Zukunft sein. Nachdem alles in die Stadt floss und fliesst, ist es an der Zeit, etwas Städtisches aufs Land hinaus zu tragen. Das würde bestimmt viel weniger Staub in die Stadt treiben.

 

  • Statt Dünger gibt eine Stadt genügend Küchenreste, Schlacke und Nebenprodukte her. Man kann daher den Stadtrand gleich von Beginn weg in die Abfallentsorgung einschliessen. Blätter von Bäumen eignen sich zum Mulchen. Müsste etwa die Akazie auch an den Stadtrand kommen, weil ihre Wurzeln Stickstoff binden und Böden fruchtbarer machen können.

 

  • Über Haustiere in einer afrikanischen Stadt besitze ich kaum Kenntnisse basierend auf Erfahrung. Oder sollen vor der Stadt mehr Kühe auf die Weide, oder wie entwickelt der Mensch diese Weiden tiergerecht? Hühner braucht es immer. Hat etwa das Schwein in Afrika mehr Zukunft als andernorts?

 

  • Wichtig für die Menschen sind Pferde und Ponys: für Kinder, von therapeutischen Zwecken bis zum Reitsport.

 

  • Alles muss unternommen werden, um dem Stadtrand das Image des Abfälligen zu nehmen. Natürlich hat die Architektur ihn dazu gemacht.

 

  • An den "Stadtrand" gehörten sowohl handwerkliche als auch industrielle Verarbeitungsbetriebe, etwa eine Fruchtsaftproduktion mit Abfüllungsbetrieb, eine oder gar mehrere Bierbrauereien, eine Marmeladen- oder Konfitürenfabrik. Unbedingt eine Sägerei, event. eine Spanplatten- Herstellung, aber auch eine Forschungsstelle für Baumaterialien. Leute müssen eine Lehre machen können, um zu Jobs zu kommen. Der doppelte Bildungsweg muss mit aller Kraft betont werden. Die heutige Universitätsausbildung bringt wenig und selten einen Job.

 

 

  • Das Ceterum censeo des "Stadtrands" der Zukunft: diese Fläche hat mit Downtown in Wettbewerb zu stehen.

Beim Thema der Neugestaltung des Stadtrands stehen wir erst am Anfang. Dieser kann von der City weg weiter an die Peripherie verlegt werden, sodass er mehr Schnauf aber auch Eigenständigkeit erreicht. Bis heute geriet der Rand der Stadt zum Tristen in der Architektur.

 

  1. Es sollte Schluss sein mit himmeltraurigen Hochhäusern am Rand einer Stadt. Weg sowohl von der tristesse als auch der Käfighaltung von Menschen. Dabei betone ich, dass ich Wolkenkratzer liebe, aber keine phantasielosen Hochbauten an Stadträndern. Gestaltung heisst Abwechslung, Tempowechsel und Variation von Ein- und Ausatmen, so, wie eine Symphonie mehrere Sätze aufweist.

 

  1. Auch eine Stadt muss mehr unternehmen, um sich etwas Selbstversorgung ganz aus der Nähe zu gönnen und dafür zu planen. Architekten und Agronomen, zudem Ökonomen wie Kunstschaffende werden sich in Zukunft noch mehr zusammentun müssen.

 

ALLES BEGINNT MIT EINEM ANFANG.

AM ANFANG STEHT EIN VERZICHT AUF VIELE TRADTIONELLE DENKWEISEN. Konventionen sind etwas anderes als Tradition.

In einem dauernd fliessenden Leben müssen Traditionen stets kritisch hinterfragt werden. Hier gibt es kein Recht auf die Behauptung: Das hat Gott offenbart. Gott gab höchstens einen Anstoss, um den Menschen die Variationen zu überlassen.

 

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