Lusophone Kolonien


Die härtesten kolonialen Auseinandersetzungen gab es in den portugiesischen Kolonien, obwohl alle als mausarm galten – ausser Angola, seitdem dort Öl gefunden wurde.





Angola

Bereits 1956 wurde die MPLA, die Volksbewegung für die Befreiung Angolas gegründet. Sie war vor allem in Luanda und drum herum heimisch. Stark von Sowjetunion abhängig.


1962 kam die FNLA (Frente Nacional de Libertaçao de Angola), die Nationale Front für die Befreiung Angolas, angeführt von Holden Roberto, hinzu. Sie erwuchs stark aus dem Bakongo - Volk im Nordwesten des Landes. 1966 entstand die UNITA, die Nationale Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas. Stark in den Händen der Ovimbundu. Ihr Führer war Jonas Savimbi, der sich wohl mehr gegen den Kommunismus als gegen die Portugiesen wehrte.


Der Guerillakrieg begann 1961 und dauerte bis zur Unabhängigkeit 1974. Doch bald zerfiel die Einheit; man bekämpfte sich gegenseitig. Es gab Flügelkämpfe, wie sie im Kalten Krieg üblich waren. Die UNITA gab sich bewusst prowestlich; ihr Führer Savimbi hatte in Lausanne studiert.


Als überragende Gestalt muss Agostinho Neto /1922-1979), der erste Präsident, Dichter und Sänger angesehen werden. Er gehörte zur Négritude-Bewegung und lässt sich mit Senghor vergleichen. Er war so etwas wie ein Mystiker des Kampfs mit dem Gedicht. Nach der Unabhängigkeit 1975 schrieb er keine Gedichte mehr.




Mocambique

Die Front zur Befreiung Mocambiques FRELIMO wurde 1962 in Dar es Salam begründet. Ihr Anführer war ein Soziologe, der in den USA studiert hatte, Dr. Eduardo Mondlane. 1964 beginnen im Norden die ersten Scharmützel. Es kam rasch zu Flügelkämpfen zwischen UDSSR-  und USA-Anhängern, zwischen Gewalt und Verhandlungen. 1969 wird Mondlane ermordet. Nachfolger war Samora Machel. Die Frelimo geht durch harte interne Auseinandersetzungen hindurch, gegenseitigen Verdächtigungen und Einschüchterungen. Säuberungen und Meuchelmorde untereinander waren selbstverständlich.


Am 25. 6. 1975 wurde M. unabhängig. Nach kurzem entstand eine neue „Befreiungsbewegung“, die RENAMO (Resisténcia Nacional de Mocambique) zusammen mit Südafrika (SADF); es war ein wilder Haufen von Söldnern und Antikommunisten, rechtskonservativen Kreisen und kolonialen Nostalgikern. Es entstand ein langjähriger grausamer Kampf mit Landminen, beinahe landesweit gesät. Im Okt. 1986 kommt Machel bei einem Flugzeugabsturz (Ursache bis heute ungeklärt) um. Nachfolger wird Joaquim Alberto Chissano, ein Mitbegründer der FRELIMO. 1990 beginnen Friedensverhandlungen, nachdem sich Chissano mit Alfonso Dhlakama in Rom getroffen hatte. Im Okt. 1992 kommt es zum Waffenstillstand, der von einem starken Teil der alten FRELIMO als Verrat angesehen wurde. Aufstände gefährdeten den Frieden. Eine Figur war wesentlich für diese Annäherung, Tiny Rowland, der damalige Chef von Lonrho, einen britischen Bergbaumulti, der ein Freund von Nkomo und Kaunda war und diese u.a. in seinem Privatjet herumflog. Rowland war weitsichtig, sah das, was folgte, kommen. Das Lonrho-Hochhaus in Harare war lange Zeit fast ein Geheimzentrum einiger Befreiungsbewegungen des südlichen Afrikas.





Kap Verde

Die PAIGC  (Partido Africano da Independência de Guinea e Cabo Verde) wurde 1956 gegründet. Amilcar Cabral, der Gründer, war gebildet und charismatisch. Er wurde 1973 Opfer eines Komplotts. Danach spaltet sich die PAIGC, und man begann, sich sogar gegenseitig zu bekämpfen.




Sâo Tomé e Principe

Seit 1970 gab es das Movimento de Libertaçâo de Sao Tome e Principe. die MLSTP, die im Exil zu agieren versuchte; doch nutzlos. Als 1974 die Unabhängigkeit kam, übernahm der Chef Manuel Pinto da Costa und erklärte MLSTP zur Einheitspartei. Opposition nicht erlaubt.



Guinea-Bissau

Hier führte ebenfalls die PAIGC einen Guerillakrieg von 1963 bis 1974 zur Unabhängigkeit.




Die Befreiungsbewegungen im lusophonen Raum sind schwierig zu erklären. Der Einfluss Portugals war eher punktuell. Es ging kaum um Land; arm waren alle, auch die Weissen. In diesen Kolonien gab es eine Vermischung der Rassen. Einige der Kämpfer waren Mischlinge.


Man könnte den Kampf in Angola noch einigermassen begreifen, nachdem dort Öl im Golf von Kabinda zu Tage gefördert wurde. Ging es also viel mehr um Anteil am Öl?