Nordafrika


Es zeigt sich sofort, dass der Maghreb, resp. Nordafrika Mühe hat, mit Schwarzafrika in Kontakt und Austausch zu kommen. Etwas Verachtung spielt mit. Dazu sind drei Länder monarchisch beherrscht. In Nordafrika spielt der Islam und immer mehr ein Islamismus eine wichtige Rolle. Es schlummert also eher der Djihad als der Befreiungskampf.



Algerien

Die Loslösung von Frankreich kam durch einen grausamen Befreiungskrieg (1954-62) zustande. Die algerische Befreiungsarmee und spätere nationale Einheitspartei hiess FLN (Front de libération nationale). Houari Bouemedienne war der Führer, der 1978 auf mysteriöse Weise verstarb. Die ersten Rebellen waren zwar die Kabylen, die von FLN ausgebootet und sogar grausam verfolgt wurden. Der starke Mann hiess Ben Bella. Auf Boumedienne folgte Lamine Zeroual, bis 1994.  Es setzt eine der grausamsten Zersetzungen durch Terror ein. Am 7. April 1987 wurde der Exilpolitiker, der oppositionelle Rechtsanwalt Ali Mecill vor seinem Haus in Paris mit 3 Schüssen niedergestreckt. Die FLN zerstritt sich nach der Unabhängigkeit mehr und mehr. Der Ölreichtum führt zu grösstmöglicher Korruption. Eine islamische Befreiungsfront, die FIS, entstand. Die Bevölkerung war von der sog. politischen Befreiung masslos enttäuscht und suchte im Religiösen Zuflucht. Bei den Wahlen 1990/91 siegt – für die FLN total überraschend., der politische Islam FIS (Front islamique du salut) mit 55%. Mit Hilfe des Westens aberkannte die FLN den Sieg der FIS, seither regiert im Hintergrund die Armee unter der „demokratischen Hülle“ von Präsident Abdelaziz Bouteflika. Der 72-jährige wird 2009 zum 3. Mal wiedergewählt. Seit 1991 fielen dem internen Terrorismus mindestens 150'000 Menschen zum Opfer. Auch nach fast 50 Jahren Unabhängigkeit ist immer noch die alte Garde der Unabhängigkeitskämpfer überall an der Macht. Es bewegt sich nichts. Beispiel: Immer noch gut 30% Analphabeten. In Frankreich leben 776'000 wahlberechtigte Algerier.



Marokko und Westsahara

Marokko war ebenfalls eine französische Kolonie. Nach der Unabhängigkeit kamen grossmarokkanische Träume auf, und so wurde 1976 die Westsahara besetzt und annektiert.
Seither kämpfen die POLISARIO-Guerillas aus der Sahraui-Bevölkerung für Unabhängigkeit. Dieser Loslösungskampf von Marokko geht bis heute weiter. Die Polisario ist jedoch in der Krise, die Mitglieder laufen ihr davon, und die Polisario hat Menschenrechtsverletzungen zugegeben.



Libyen

Muammar Ghadhafi (geb. 1942) entstammt einem mächtigen Beduinenclan; er bezeichnet sich selbst als Revolutionsführer. Er putschte 1969 gegen den König und übernahm die Macht. Er proklamiert den Islam zum “sozialrevolutionären Weg“ (1973). Sein Name gilt als Synonym für einen weltweiten Terrorismus. Er unterhält Kontakte mit IRA oder ETA, mit PLO u.a. Mit afrikanischen Befreiungsbewegungen bekundete er stets Mühe.  Kritiker lässt er verschwinden. 2009 wird er Präsident der Afrikanischen Union. Für Afrikas Befreiungskämpfer war Ghadhafi eine wichtiger Vermittler oder Lieferant von Waffen.



Ägypten

Präsident Gamal Abdel Nasser (1952 an die Macht geputscht) wurde zu einem Wahrzeichen der blockfreien Länder, den NAC. Intern war er strikt, denn er realisierte bald, dass seine Bürger statt der Politik sich eher dem Islam zuwandten. Schon seit den 1920er Jahren existiert die Muslimbruderschaft. Der Nachfolger Sadat (ab 1970) entmachtete 1971 alle internen Konkurrenten oder Oppositionellen. 1981 wurden 1500 Oppositionelle verhaftet; als Reaktion wurde er1981 ermordet. Hosni Mubarak folgte nach und betreibt bis heute eine sehr autokratische Unterdrückungspolitik. Ägypten fühlte sich nie afrikanisch; es war eher dem Panarabismus verpflichtet. Die autokratische Politik konnte es sich niemals leisten, afrikanische Befreiungskämpfer aufzunehmen.



Tunesien

wurde 1956 von Frankreich unabhängig unter Habib Bourguiba, der sich als Befreiungskämpfer ausgibt. Das Land hat nie einen Bezug zum Kontinent Afrika gefunden.